Blog – Jocelyne Lopez

Archiv für 2008

Treibjagd: Gewalt als Hobby und Lust am Töten

Ich komme auf meine Blog-Einträge Karlheinz Baumgartl zur alljährlichen Treibjagd an Wildtiere und Die Treibjagd an Wildtiere abschaffen! zurück, sowie auch auf die in diesem Sachverhalt verlinkte Webseite Initiative zur Abschaffung der Jagd.

Ich mache aus dieser Webseite auf die Forderungen für eine Reform der Jagdgesetzgebung aufmerksam, und zitiere hier lediglich einige Überschriften aus diesem Dokument:

– Seit rund 70 Jahren gab es kaum Änderungen am Bundesjagdgesetz

– Nachdem sich Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer gegen eine Novellierung des Bundesjagdgesetzes ausgesprochen hat, liegt es nun an den Ländern, für eine modernere Jagdgesetzgebung zu sorgen.

– Nach aktuellem Erkenntnisstand in Ökologie und Wildbiologie kommt der Jagd keinesfalls jene ökologische Unabdingbarkeit zu, wie sie von Jäger immer wieder gerne behauptet wird.

– Die Jagd ist somit aus ökologischen Gründen nicht zu rechtfertigen. In den einschlägigen Jagdzeitschriften geben Jäger offen zu: Der wahre Grund für die Jagd ist die „Lust am Töten“ und die „Freude am Beutemachen„.

– Im Grundgesetz wurde der Schutz der Tiere im Jahr 2002 zum Staatsziel erhoben.

– Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger treten in repräsentativen Umfragen ein für ein Verbot der Jagd auf wildlebende Tiere als Freizeitsport (Hobbyjagd) …

– Deutsches „Reviersystem“ verstößt gegen Menschenrechte.

Vor diesem Hintergrund wiedergebe ich nachstehend den Text des Schriftwechsels zwischen Herrn Karlheinz Baumgartl und Herrn Hans-Christian Eibl, Regierungsinspektor Sachgebietsleiter „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“ Landratsamt Rottal-Inn.

Der Regierungsinspektor Landratsamt Rottal-Inn Hans-Christian Eibl droht mit der Justiz wegen „Beleidigung„. Wo der gute Mann in den Ansprachen von Karlheinz Baumgartl eine „Beleidigung“ gesehen haben will ist wohl sein Geheimnis und seine Drohung kann man lediglich als Einschüchterungsversuch ansehen: Dass die Treibjagd legal ist, das wissen wir ja selbst, das braucht uns der gute Mann nicht zu erzählen und er darf gerne darauf verzichten uns darüber zu belehren – sonst hätten wir ja auch keinen Anlaß zum Schreiben gehabt. Dass jedoch jeder Bürger in diesem Land das Recht hat, sich dafür einzusetzen, dass Gesetze geändert werden, das weiß er wohl auch und er darf es auch persönlich zur Kenntnis nehmen, ob es ihm passt oder auch nicht, da ist nichts Illegales oder Rechtswidriges dabei. Und wenn er die Empfindungen, die Motivation, die Meinung, die Argumente und die Initiative von anderen Bürgern als „Beleidigung“ empfindet, das ist sein persönliches Problem, nicht unser Problem und nicht das Problem der Justiz. Das muß er sich schon anhören, dass Bürger wegen Treibjagd und Hobby-Töten entsetzt sind und dagegen protestieren, ob es ihm persönlich gefällt oder auch nicht. Wir haben das Recht uns dafür einzusetzen, mit den uns zur Verfügung stehenden legalen Mitteln, dass Gesetze geändert werden und dazu gehört auch das Recht, die Öffentlichkeit und die Verantwortliche über unsere Motivationen, unserer Zielsetzung und über unser Engagement zu informieren. Protestschreiben an die Verantwortliche gehören dazu, das ist Gang und Gebe, ob es dem guten Mann gefällt oder auch nicht, ob er sich dadurch persönlich „beleidigt“ fühlt oder auch nicht, ob er mit der Justiz droht oder auch nicht.

(Jocelyne Lopez)

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Die Längenkontraktion existiert nicht

Ich komme zurück auf das Gartenzaun-Paradoxon von Peter Ripota in diesem Blog.
Dieses Paradoxon lässt sich nur lösen, wenn die Längenkontraktion nur scheinbar ist.

Und die Längenkontraktion ist ja offiziell auch nur scheinbar: Dr. Markus Pössel, als autorisierter und qualifizierter Ansprechpartner für alle Fragen über die Relativitätstheorie beim Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik/Albert Einstein Institut/Einstein Online hat ja in seiner E-Mail vom 17.08.08 bestätigt, dass an der materiellen Länge des Objektes sich nichts ändert:

Zitat Dr. Markus Pössel:

Die Laengenkontraktion geht nicht mit materiellen Veraenderungen des Koerpers einher.

Und hier gelten natürlich die Aussagen von Peter Ripota:

Zitat Peter Ripota:

Das Wechseln des Standpunkts macht etwas möglich, was vorher unmöglich war. Aber, ist das Ganze vielleicht nur Illusion? Dann muss auch, aus Symmetriegründen, das Zwillingsparadoxon Illusion sein, und wir brauchen uns um beides keine Gedanken machen. Mit anderen Worten: Wären die Effekte nur scheinbar, wäre auch die Relativitätstheorie überflüssig, denn Physik beschäftigt sich mit Sein, nicht mit Schein.

Ja, was tangiert hier uns was scheinbar ist? Wir wollen doch Physik betreiben, und nicht Biologie, Psychologie, Esoterik oder Hokuspokus.

(Jocelyne Lopez)



Norbert Derksen zu ‚Drei Einsteins aus Japan‘

Nachstehend ein Leserbrief von Norbert Derksen zu einem Artikel im SÜDKURIER:

Von: Norbert Derksen
An: SÜDKURIER, Leserbriefe
Datum 09.10.08
Zu: „Drei Einsteins aus Japan„, SÜDKURIER Nr. 235 vom 8. 10. 2008

Wieder einmal – die dilettantische Überschrift persifliert es ungewollt – hat sich das Nobelkomitee bis auf die Knochen blamiert, indem es drei stromlinienförmige Jasager auszeichnete für ihre Fähigkeit, sattsam bekannten Unsinn so nachzuplappern und zu komplettieren, daß ihnen eine dekadente Gesellschaft auf den Leim ging und aus der damit verbundenen Ressourcenverschwendung konträr zur Absicht des Preisstifters Schaden erlitt. Offen bleibt nur die Frage, inwieweit die Laureaten ihren „Erfolg“ mangelnder geistiger Potenz verdanken oder aber schnödem Opportunismus. Im ersteren Fall wären Eingeständnisse wie „Der materiestiftende Symmetriebruch nach dem Urknall ist noch nicht ganz verstanden“ keine bloße Koketterie, sondern starke Untertreibung, hätte man doch bei überzeugtem Festhalten an der geltenden „Theorie“ noch nicht einmal begriffen, daß eine mathematische Singularität niemals physikalische Realität werden kann, ganz abgesehen davon, daß die fehlende Transitivität der inhärenten Transformationen jegliche Konsistenz ausschließt. Sollten sich Yoichiro Nambu, Makoto Kobayashi und Toshihide Masukawa allerdings dem Quark des längst falsifizierten „Standardmodells“ in Form des selbst von manchen Apologeten bereits wieder in Frage gestellten Kobayashi-Masukawa-Modells mit seinen „Symmetriebrüchen“ aus kalkuliertem Opportunismus beugen, entdeckte man sofort frappierende Ähnlichkeiten zu den berühmten drei Affen von Nikkô.

Daß sich die in Stockholm versammelten Journalisten nicht trauten, Fragen zu stellen, braucht niemanden zu verwundern, handelte es sich doch um eine Phalanx von lauter Speichelleckern. Wäre ich dabei gewesen, ich hätte die vermeintlichen Geistesgrößen derart mit Fragen gelöchert, daß das große Schweigen auf der anderen Seite ausgebrochen wäre. Hat nicht erst gerade das Beispiel Harald zur Hausens eindrucksvoll gelehrt, daß wahrer wissenschaftlicher Fortschritt in der Regel von denen ausgeht, die neben der Vernunft Charakter und Rückgrat besitzen und es dadurch aushalten, lange Zeit spöttisch belächelt zu werden? Auf die Frage des japanischen Fernsehsenders NHK, was er fortan noch vorhabe, antwortete übrigens Masukawa, der den Nobelpreis für eine ziemlich banale Angelegenheit hält („The Nobel prize is a rather mundane thing„) und sich zudem schon seit Ende der 70er Jahre nicht mehr für das prämierte Thema interessiert, laut „Handelsblatt“: „Ich denke schon längere Zeit an die Weiterführung der Relativitätstheorie von Einstein.“ Ergänzte er dann aus Erfahrung: „Natürlich glaube ich nicht, daß ich vor meinem Tod irgendwas erreichen würde„? Fehlte ihm womöglich nur die Zivilcourage, statt von „Weiterführung“ von „Elimination“ zu sprechen?

(Norbert Derksen)



Peter Ripota: Das Gartenzaun-Paradoxon

Stellen wir uns einen ganz gewöhnlichen Gartenzaun vor. Naja, nicht ganz gewöhnlich. Er soll unendlich lang sein, doch wem das zu lang ist, der kann ihn in Gedanken einfach nur „beliebig lang“ machen. In der Praxis macht das keinen Unterschied. Seine Latten sollen 10 cm breit sein, die Zwischenräume etwas größer, sagen wir 15 cm. Nun besorgen wir uns noch eine Kugel von 10 cm Durchmesser. Sie passt also gut durch die Zwischenräume. Und wenn wir uns vor den Zaun stellen, können wir ohne Probleme die Kugel durch irgendeinen Zwischenraum auf die andere Seite des Zauns werfen.

Entlang dem Zaun, ziemlich dicht an ihm dran, verlaufen Gleise, die so lang sind wie der Zaun. Auf ihnen verkehrt der Einstein-Express, ein Zug der besonderen Art. Er wurde von Albert Einstein zur Illustration seiner Ideen erdacht. Das Besondere an ihm: Er kommt in seiner Geschwindigkeit nahe an die des Lichts heran. Das sieht so aus:

bild-1-ripota-300.jpg
Der Einstein-Zug: Wie man sieht, passt die Kugel genau durch den Zwischenraum.

 

Wir steigen in den Zug und fahren langsam los. Immer noch können wir unsere Kugel problemlos durch die Lücken des Zauns werfen; wir müssen nur den Ablenkwinkel durch die Eigengeschwindigkeit berücksichtigen. Der aber wird, wie es so schön heißt, „vernachlässigbar klein„, wenn wir den Zug sehr nahe am Zaun vorbeifahren lassen.

Und jetzt geben wir Gas und beschleunigen auf eine Geschwindigkeit, die der Lichtgeschwindigkeit nahe kommt. Und siehe da: nun können wir die Kugel nicht mehr auf die andere Seite des Zaunes werfen, denn gemäß der Längenkontraktion der Speziellen Relativitätstheorie zieht sich der Zaun – und damit auch sein Zwischenraum – zusammen: Die Kugel passt nicht mehr durch.

Das ist an sich noch nicht verwunderlich, denn wir können nicht erwarten, dass unter extremen Verhältnissen die gleichen Bedingungen herrschen wie im Alltag. Doch jetzt machen wir etwas ganz Einfaches: Wir wechseln den Standpunkt. Statt mitzufahren hocken wir jetzt hinter dem Zaun und drücken dem Schaffner des Einstein-Zuges die Kugel in die Hand, mit der Auflage, sie bei hoher Geschwindigkeit durch den Zaun zu werfen. Und das geht ohne weiteres: Denn nach dem Einsteinschen Relativitätsprinzip erleben wir hinter dem Zaun das gleiche wie vorhin im Zug: Der Zug und alles, was in ihm mitfährt, schrumpft in Längsrichtung zusammen. Die Kugel wird also dünner und passt nun problemlos durch die Lücken des Zauns.

bild-2-ripota-300.jpg
Der Einstein-Zug  bei hoher Geschwindigkeit, vom Zaun aus gesehen, also vom ruhenden Betrachter. Durch die Längen-Kontraktion erscheint der vorbei flitzende Zug gestaucht, und die Kugel passt weiterhin gut durch den Zaun
(relativistische Effekte in rot)

 

bild-3-ripota-300.jpg
Der Einstein-Zug  bei hoher Geschwindigkeit, vom Zug aus gesehen. Durch die Längen-Kontraktion erscheint der vorbei flitzende Zaun gestaucht – die Kugel passt nicht mehr durch, obwohl sich an der physikalischen Situation nichts geändert hat! Dennoch ermöglicht der Wechsel des Betrachters, was vorher unmöglich war
(relativistische Effekte in rot).

Was ist da geschehen? Das Wechseln des Standpunkts macht etwas möglich, was vorher unmöglich war. Aber, ist das Ganze vielleicht nur Illusion? Dann muss auch, aus Symmetriegründen, das Zwillingsparadoxon Illusion sein, und wir brauchen uns um beides keine Gedanken machen. Mit anderen Worten: Wären die Effekte nur scheinbar, wäre auch die Relativitätstheorie überflüssig, denn Physik beschäftigt sich mit Sein, nicht mit Schein.

Dazu kommt, dass es bis jetzt kein einziges Experiment gibt, welches die Längen-kontraktion beweist, nicht einmal ein Gedankenexperiment – wohl aber eines, das sie widerlegt. Doch das nur nebenbei.

Um das Wunderbare – oder Absurde – der Situation ganz deutlich zu machen, stellen Sie sich folgendes vor: Sie hocken ganz friedlich am Tresen Ihrer Lieblingsbar, und plötzlich kommt so ein Kerl daher und macht Stunk. Er provoziert Sie, wie auch immer. Doch Sie lassen sich nicht einschüchtern und behaupten kühn, Sie könnten ihn mit dem kleinen Finger Ihrer linken Hand in die Luft heben. Er lacht sich kaputt, aber Sie sagen, Sie müssten nur „den Standpunkt wechseln„. Sie gehen also ein halbes Mal um ihn herum, setzen sich noch eine Brille auf (möglichst eine in rosa) – und schwupp, schon ist der Kerl so leicht, dass Sie ihn ohne weiteres mit dem kleinen Finger hochheben können.

Ein Wunder? In der Tat! Warum nur hat Einstein seinem Fantasiegebilde einen so langweiligen Namen gegeben und dieses nicht einfach „Physik der Wunder“ getauft?

(Peter Ripota)



Austausch mit Herrn Dr. Markus Poessel vom 05./07.10.08

Ich erhielt im Zusammenhang mit dem Austausch mit Herrn Dr. Markus Poessel vom 28.09.08 folgende E-Mail-Antwort:

Von Markus Pössel
An Jocelyne Lopez
Datum: 05.10.08
Betr: Frage zur Speziellen Relativitätstheorie

Sehr geehrte Frau Lopez,

ich habe im Hauptteil meiner letzten Mail aufbauend auf den Laengenmessverfahren, auf die wir uns in vorangehenden Mails geeinigt hatten, Schritt fuer Schritt dargelegt, warum die Relativitaet von Laenge ebenso wenig widerspruechlich ist wie die Relativitaet von Geschwindigkeiten, und welche Schluesselrolle die Relativitaet der Gleichzeitigkeit dabei spielt.

In Ihrer Antwort zitieren Sie einen Teil meiner Mail und schreiben dann sinngemaess, das haetten Sie ja alles schon lange gewusst.

Aber unmittelbar danach stellen Sie eine Frage, die direkt auf einer der Fehlvorstellungen aufbaut, mit denen in meiner Mail aufgeraeumt wurde. Und dann folgen weitere Ausfuehrungen, die schlicht ignorieren, was ich in einiger Ausfuehrlichkeit ueber die Rolle der Gleichzeitigkeit bei der Laengenkontraktion gesagt hatte.

Da bin ich natuerlich baff und frage mich, was da gelaufen ist.

Ich gehe einmal davon aus: Wenn Sie das, was ich in meiner letzten Mail schrieb, gelesen und nicht verstanden haetten, haetten Sie mir mitgeteilt, wo es Verstaendnisprobleme gab. Wenn Sie es gelesen und verstanden, aber ein Glied meiner Argumentationskette fuer falsch befunden haetten, haetten Sie auf eben diesen Umstand hingewiesen. Und wenn Sie es gelesen, verstanden und fuer richtig befunden haetten, haetten Sie im Anschluss daran schwerlich auf die Fehlvorstellungen zurueckgegriffen, mit denen dort aufgeraeumt wird.

Die wohlwollendste Deutung, die mir einfaellt, ist, dass Sie meine Mail nur recht fluechtig gelesen und dann faelschlich geschlossen haben, was ich da schrieb sei Ihnen bereits bekannt.  Aber auch das ist fuer mich natuerlich aergerlich. Selbst wenn sich unsere Diskussion nur um die einfachsten Grundlagen der Speziellen Relativitaetstheorie dreht: ein bisschen Zeit muss ich in das Schreiben meiner Antwortmails natuerlich trotzdem investieren. Dann so klar vor Augen gefuehrt zu bekommen, dass meine Antwort noch nicht einmal richtig gelesen wird, finde ich sehr frustrierend.

Ich bin gerne bereit, die Diskussion fortzufuehren, aber nur, wenn ich hinreichend sicher sein kann, dass meine Ausfuehrungen nicht ins Leere laufen. Insbesondere wuesste ich gerne, ob wir uns auf das einigen koennen, was ich in meiner letzten Mail schrieb (Ihre Behauptung der Widerspruechlichkeit unterschiedlicher Messergebnisse fuer die Laenge waere damit ausgeraeumt). Wenn nicht, dann wuesste ich gerne, welchen Schritt meiner Argumentationskette Sie anfechten.

Mit den besten Gruessen,
Markus Poessel

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Hierzu meine Antwort vom 07.10.08:

Von Jocelyne Lopez
An Markus Pössel
Datum: 07.10.08
Unser Austausch vom 28.09.08

Sehr geehrter Herr Dr. Pössel,

Vielen Dank für Ihre E-Mail vom 5.10.08.
Sie schreiben:

ich habe im Hauptteil meiner letzten Mail aufbauend auf den Laengenmessverfahren, auf die wir uns in vorangehenden Mails geeinigt hatten, Schritt fuer Schritt dargelegt, warum die Relativitaet von Laenge ebenso wenig widerspruechlich ist wie die Relativitaet von Geschwindigkeiten, und welche Schluesselrolle die Relativitaet der Gleichzeitigkeit dabei spielt.

In Ihrer Antwort zitieren Sie einen Teil meiner Mail und schreiben dann sinngemaess, das haetten Sie ja alles schon lange gewusst.

Es liegt hier ein Missverständnis vor und ich muß um Entschuldigung bitten, wenn ich mich unklar ausgedrückt habe. Ich wollte damit ausdrücken, dass ich schon lange weiß, welche Aussagen die Spezielle Relativitätstheorie trifft (ich hinterfrage nämlich diese Theorie sehr gründlich und sehr intensiv seit mehreren Jahren), jedoch dass ich manche Kernaussagen weiterhin nicht nachvollziehen kann. Wie zum Beispiel eben die relativistische Längenkontraktion, die wir hier speziell behandeln. Ich weiß auch aus Erfahrung durch meine jahrelange Hinterfragung, dass zahlreiche andere naturwissenschaftlich interessierte Laien ganz genau dieselben Verständnisprobleme wie ich dabei haben. Ich schlage also vor, um Missstimmung Ihrerseits auszuschließen und vorzubeugen, dass Sie sich auf das Problem der Längenkontraktion konzentrieren und auf die Fragen, wofür ich hier gezielt bei dieser Thematik um Beantwortung bitte, ohne dabei die ganze klassische Physik oder die ganze Spezielle Relativitätstheorie aufzurollen.

Sie schreiben:

Die wohlwollendste Deutung, die mir einfaellt, ist, dass Sie meine Mail nur recht fluechtig gelesen und dann faelschlich geschlossen haben, was ich da schrieb sei Ihnen bereits bekannt.  Aber auch das ist fuer mich natuerlich aergerlich. Selbst wenn sich unsere Diskussion nur um die einfachsten Grundlagen der Speziellen Relativitaetstheorie dreht: ein bisschen Zeit muss ich in das Schreiben meiner Antwortmails natuerlich trotzdem investieren. Dann so klar vor Augen gefuehrt zu bekommen, dass meine Antwort noch nicht einmal richtig gelesen wird, finde ich sehr frustrierend.

Ich bin gerne bereit, die Diskussion fortzufuehren, aber nur, wenn ich hinreichend sicher sein kann, dass meine Ausfuehrungen nicht ins Leere laufen.

Sie liegen bei dieser Deutung, dass ich Ihre Mails nur flüchtig lese völlig falsch. Ganz im Gegenteil, ich lese sie sehr gründlich. Leider habe ich aber noch nicht die Beantwortung aller Fragen darin gefunden, die mich beschäftigen und deren Klärung mich jedoch entscheidend bei meinen Verständnisproblemen weiterbringen würde. Kommunikation ist ein schwieriges Unterfangen, nicht nur zwischen uns beiden, das sollte uns vielleicht ein kleiner Trost sein. Ich habe mich deshalb auch immer bemüht, um Ihre Zeit und Ihre didaktischen Bemühungen zu schonen, ganz konkrete und ganz gezielte Fragen zu stellen, sowie sie mit ganz konkreten Beispielen zu veranschaulichen.

Dass Ihre Antworten ins Leere gegangen seien, darf ich entschieden widersprechen: Sie haben schon in dieser Korrespondenz dankenswerterweise zwei wichtige punktuelle Klärungen für mich gebracht, die in meiner jahrelangen Hinterfragung in Foren nie geklärt bzw. widersprüchlich dargelegt wurden, zum Beispiel:

1) Dass die Längenkontraktion kein materieller Effekt ist: Die materielle Länge eines Objekts bleibt bei der Messung unberührt, auch bei der Messung nach der Meßvorschrift der SRT. Diese Klärung von Ihnen ist extrem wichtig gewesen, da ich wie gesagt immer wieder zu widersprüchlichen oder gegenteiligen Auffassungen und Vorstellungen jahrelang gestoßen bin (materielle Verkürzung des Objekts, optische Täuschung).
Ihre E-Mail vom 17.08.08  : „Die Laengenkontraktion geht nicht mit materiellen Veraenderungen des Koerpers einher;“

2) Dass die Länge eines Objektes, die man im Ruhezustand misst, nicht die exakteste Länge des Objekts ist, sondern nur eine gute Näherung in der Praxis, dafür die Länge, die man bei Bewegungszustand misst die exakteste Länge des Objekts ist. Auch dies war für mich eine extrem wichtige Klärung: Man trifft zum Beispiel in Foren auf genau die gegenteilige Auffassung – auch von ausgebildeten Physikern – nämlich, dass die Ruhelänge eines Objektes als seine exaktstete materielle Länge in der Physik anzusehen sei.
Ihre E-Mail vom 28.09.08 : „P.S.: Ich stimme der Aussage zu, dass die klassische Geschwindigkeitsaddition falsch, aber in der Praxis (naemlich bei den im Alltag ueblichen Geschwindigkeiten, die im Vergleich zur Lichtgeschwindigkeit sehr klein sind) eine gute Naeherung ist, wenn es gilt, aus in einem Bezugssystem A gemessenen Geschwindigkeiten auf in einem relativ zu A bewegten Bezugssystem B gemessene Geschwindigkeiten zu schliessen.

Unser bisheriger Austausch war also aus meiner Sicht durchaus konstruktiv und weiterbringend, und dafür bedanke ich mich recht herzlich.

Aus diesen beiden schon geklärten Punkten ergeben sich jedoch weitere Fragen, die noch offen sind, und um deren gezielte Beantwortung ich jetzt wiederum bitte:

1) Ich habe gefragt (mit willkürlichen Zahlenbeispielen, nur zur Veranschaulichung):

– wenn ich ruhend einen Gegenstand mit 10 cm messe (also mit einer Relativgeschwindigkeit 0 zum Gegenstand)

und

beim Laufen denselben Gegenstand mit 9,9999 cm messe (also mit einer Relativgeschwindigkeit größer als 0 zum Gegenstand)

welche ist dann die exakteste materielle Länge dieses Gegenstandes: 10 cm oder 9,9999 cm?

Sie bestätigten mir in Ihrer E-Mail vom 28.09.08, dass die klassische Geschwindigkeitsaddition falsch ist (wobei sie in unserer Alltagsdimension eine gute Näherung sei), also dass die relativistische Geschwindigkeitsaddition als exakt anzusehen ist. Halten wir also fest, dass die exakteste materielle Länge dieses Gegenstandes nicht 10 cm ist, wie ich sie ruhend gemessen habe, sondern 9,9999 cm, wie ich sie beim Laufen gemessen habe.

Jetzt messe ich ein drittes Mal und erhöhe mein Tempo beim Messen dieses Gegenstandes. Ich erhalte mit der richtigen relativistischen Geschwindigkeitsaddition unter Berücksichtung meiner höheren Relativgeschwindigkeit zum Gegenstand ein Messergebnis für die materielle Länge dieses Gegenstandes von 8,6342 cm.

Jetzt meine Frage, wobei wir schon geklärt haben, dass die (unbekannte) materielle Länge dieses Gegenstandes bei den Messungen sich nicht geändert hat:

Welche ist nun die exakteste materielle Länge dieses Gegenstandes: 9,9999 cm oder 8,6342 cm?

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2) Da die materielle Länge eines Gegenstandes sich bei der Messung nicht ändert, jedoch verschiedene Messergebnisse bei verschiedenen Messungen ausfallen, muß man davon ausgehen, dass sich der Maßstab bei den Messungen geändert hat. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht für diesen Meßeffekt. Das sagte auch ein überzeugter Kenner der Speziellen Relativitätstheorie in Foren aus, wie ich es in meiner vorherigen Mail wiedergegeben habe: „In der Relativitätstheorie sind Maßstäbe eben nicht invariant, sondern abhängig vom Beobachter. Das nennt man Längenkontraktion„.

Bestätigen Sie diese Aussage, dass in der Relativitätstheorie die Maßstäbe nicht invariant sind, sondern abhängig vom Beobachter? Können Sie bitte diese punktuelle Frage gezielt beantworten?

Mit freundlichen Grüßen
Jocelyne Lopez



Ein grausamer Fluch…

Im Zusammenhang mit meinem Eintrag Zwillingsparadoxon: Nur lachhaftes Hirngespenst möchte ich ein anderes Problem mit dem Zwillingsparadoxon darlegen, das sich mit der Messung mit zwei Uhren unter Berücksichtigung des Postulats der relativen Gleichzeitigkeit ergibt:

1) Nach der Speziellen Relativitätstheorie hat allein der reisende Zwilling die „Folgeschäden“ der Relativbewegung zu tragen, warum auch immer und wie auch immer diese Wirkungen entstehen können: Er trifft seinen auf der Erde zurückgebliebenen Bruder sowohl „verjüngt“ als auch „verkürzt“ wieder. Das ist schon ein schweres Schicksal, vor allem mit der Verkürzung…

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2) Man muß jedoch bedenken, dass ein physikalisches Zusammentreffen ausgerechnet ein Ereignis der absoluten Gleichzeitigkeit ist: Um sich physisch wieder zusammen zu treffen müssen die Zwillinge genau zur gleichen Zeit genau am selben Ort sich am Ende der Strecke befinden: Am Ort des materiellen Körperkontakts. Das wird ja mit der Messung mit einer Uhr gewährleistet: Vor der Trennung stoppen die beiden gemeinsam die Uhr, bei dem Zusammentreffen stoppen die beiden gemeinsam die Uhr. Die absolute Gleichzeitigkeit des Zusammentreffens, die für das Geschehen dieses physikalischen Ereignisses zwingend notwendig ist, ist also gegeben.

3) Nach der Speziellen Relativitätstheorie jedoch befindet sich der zurückkehrende Zwilling nicht am selben Ort und zur gleichen Zeit als sein Bruder am Ende der Strecke wieder: er ist später da (wegen Zeitdilatation), dafür räumlich ein Stück vor (wegen Längenkontraktion). Damit das Ereignis des Zusammentreffens stattfinden kann muss also die genaue Übereinstimmung der jeweiligen Zeit- und Raumkoordinaten der beiden Zwillinge wiedererstellt werden. Dies ist jedoch in der Speziellen Relativitätstheorie nicht vorgesehen: Die Längenkontraktion des zurückkehrenden Zwillings ist irreversibel: So viel ich weiß ist die Verkürzung irreparabel, er ist und bleibt verkürzt bis in aller Ewigkeit (ich habe zumindest nie von einer „Längendilatation“ nach einer Längenkontraktion etwas gehört), genauso wenig wie eine Erstellung der absoluten Gleichzeitigkeit vorgesehen ist (sie existiert in der Speziellen Relativitätstheorie prinzipiell nicht).

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Diese Zwillinge sind wirklich zu bedauern und vom Pech verfolgt: Nicht nur, dass der Eine irreparabel geschrumpft zurückkommt, sie werden sich auch nie wieder umarmen können.  Ein schweres Schicksal, wie in manchen magischen und esoterischen Erzählungen.

Kann die klassische Physik sie von diesem grausamen Fluch befreien?

(Jocelyne Lopez)



Zwillingsparadoxon: Nur lachhaftes Hirngespenst

Um zu beweisen, dass die Zeitdilatation nicht existiert, und dass das Zwillingsparadoxon reines Hirngespenst ist, braucht man das Ereignis der Trennung der Zwillinge nur mit einer einzigen Uhr zu messen, egal bei welchem Zwilling sie bleibt: Man wird logischerweise feststellen, dass die Zwillinge absolut genau für eine absolut genaue Zeitdauer getrennt wurden, und dass sie sich folglich absolut genau gleichaltrig wieder treffen. Von wegen einer ist jünger als der Andere bzw. kürzer als der Andere bzw. älter als der Andere bzw. länger als der Andere bzw. sich jünger glaubt als der Andere bzw. sich kürzer glaubt als der Andere bzw. sich älter glaubt als der Andere bzw. sich länger glaubt als der Andere. Nur lachhaftes Hirngespenst.

(Jocelyne Lopez)

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Nachtrag: 

Ein Leser meines Blogs hat mir per E-Mail mitgeteilt, dass er meine Argumentation nicht verstehe. Ich habe diesem Leser folgende Antwort am 01.10.08 per E-Mail geschrieben:

Die Argumentation ist ganz simpel:

– Eine Uhr misst die Dauer eines Ereignisses (auch in der SRT).

– Die Zeiteinheit, die eine Uhr dabei benutzt wird per Konvention als Konstante festgesetzt und ist per Definition invariant (auch in der SRT): 1 Sekunde bleibt immer 1 Sekunde.

– Die Zwillinge werden gemäß Messung der Uhr während einer ganz genau gleichen Zeitdauer getrennt.

– Die Zwillinge sind folglich ganz genau gleichaltrig wenn sie sich wieder treffen.

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Die Messung des Ereignisses der Trennung der Zwillinge mit einer einzigen Uhr widerlegt also experimentell die Messung mit zwei Uhren und beweist, dass die Zeitdilatation nicht existiert.



Jocelyne Lopez schreibt an Frau Milena Wazeck, Mitarbeiterin des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte

Ich habe heute folgende E-Mail an Frau Milena Wazeck, Mitarbeiterin des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte geschrieben:

Von Jocelyne Lopez
An Milena Wazeck
Datum: 29.09.08
Betr.: Kritik der Speziellen Relativitätstheorie

Sehr geehrte Frau Wazeck,

Seit ein paar Jahren hinterfrage ich als naturwissenschaftlich interessierte Laiin und aus rein persönlichem Interesse die Spezielle Relativitätstheorie in Foren – und seit November letzten Jahres auch in meinem Blog. Im Jahr 2004 habe ich in Foren durch Herrn Ekkehard Friebe die Dokumentation der Forschungsgruppe G.O. Mueller kennen gelernt, die diese Forschungs­gruppe einer Vielzahl von Entscheidungsträgern, Bildungs- und Forschungseinrichtungen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hat zukommen lassen.

Auch Sie haben im Januar 2005 als Mitarbeiterin des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte anlässlich Ihres Vortrags im MPI vom 17.02.2005 „Gegen Einstein! Amateurwissenschaftliche Kritik der Relativitätstheorie“ diese umfangreiche Dokumentation erhalten, die die Kritik der speziellen Relativitätstheorie mit 3789 Arbeiten von weltweit ca. 1300 Autoren über eine Zeitspanne von 95 Jahren (1908-2003) einmalig dokumentiert.

Umso mehr stimmt mich also Ihre Einschätzung „Amateurwissenschaftliche Kritik“ perplex – so viel ich weiß sind Sie auch eine Physik-Laiin wie ich – wenn man berücksichtigt, dass diese Dokumentation die kritischen Ansätze und Einwände von überwiegend hoch qualifizierten Autoren belegt (von Professoren, Doktoren, Ingenieuren, Lehrern, Technikern, Philosophen, Erkenntnistheoretikern, Gelehrten und sogar Nobelpreisträgern).

Auch stehen Ihre verschiedenen öffentlichen Darstellungen der historischen Begebenheiten um die Kritik der Relativitätstheorie im eindeutigen Widerspruch zu der historischen Analyse  der Forschungsgruppe G.O. Mueller in ihrer Dokumentation. Als Beispiel möchte ich eine Gegenüberstellung bringen zwischen Ihren beiden Abhandlungen

Physik in bräunlichem Sumpf (FAZ 2005)

und

Wer waren Einsteins Gegner? (2005)

und zwei wissenschaftshistorischen Analysen aus der Dokumentation von G.O. Mueller. Diese Gegenüberstellung vermittelt für eine außenstehende Wissenschaftslaiin wie mich ein ganz anderes Bild der historischen Umstände:

G.O. Mueller: Die besondere Strategie: der verleumderische Antisemitismus-Vorwurf

und

G.O. Mueller: Was haben Antisemitismus, Nationalsozialismus und Völkermord mit Physik zu tun?

Die statistische Auswertung von G.O. Mueller für die von Ihnen untersuchte Zeitspanne ergibt:

Aus rund 3790 kritischen Veröffentlichungen sind bisher als antisemitisch ermittelt worden:

– 16 Autoren, davon 15 deutsche;
– insgesamt 19 Veröffentlichungen, davon 18 deutsche;
– nur Arbeiten aus den Jahren 1920-1944.

Darf man bei 1% der kritischen Veröffentlichungen in dieser Zeitspanne, die antisemitische Äußerungen enthalten oder antisemitisch motiviert waren, von einer „Physik im bräunlichen Sumpf“ sprechen? Darf man auch im Raum öffentlich stehen lassen, wie Sie es leider tun, dass die 99 % restlichen kritischen Veröffentlichungen und die restlichen kritischen Autoren zu einem „bräunlichen Sumpf“ gehören? Darf man auch im Raum stehen lassen, wie Sie es leider tun, dass die kritischen Arbeiten zur  Relativitätstheorie und die kritischen Autoren weltweit von Anfang an und bis heute zu einem „bräunlichen Sumpf“ gehören? Können Sie es auf der persönlichen, wissenschaftlichen und ethischen Ebene vertreten und verantworten?

Ich würde mich über eine Stellungnahme von Ihnen über diese aufgeworfene Problematik freuen und bedanke mich dafür im voraus.

Mit freundlichen Grüßen
Jocelyne Lopez



Austausch mit Herrn Dr. Markus Poessel vom 28.09.08

Ich erhielt im Zusammenhang mit dem Austausch mit Herrn Dr. Markus Pössel vom 21.09.08 folgende E-Mail-Antwort:

Von Markus Pössel
An Jocelyne Lopez
Datum: 28.09.08
Betr: Frage zur Speziellen Relativitätstheorie

Sehr geehrte Frau Lopez,

ich kann Sie natuerlich nicht zwingen, mir bei meiner Schritt-fuer-Schritt-Darstellung zu folgen, obwohl ich solch ein systematisches Vorgehen nach wie vor fuer das beste halte. Stattdessen, wie gewuenscht, direkt zu den Fragen in Ihrer letzten Mail:

Fuer die Laengenmessung gibt es bei Einstein entgegen Ihrer Behauptung in Ihrer letzten Mail keineswegs eine andere Messvorschrift als bei Newton. Die Messvorschrift, die ich in meinen letzten Mails entwickelt habe, ist sowohl in der Speziellen Relativitaetstheorie wie auch in der klassischen Physik gueltig.

Werden wie in Ihrem Beispiel von zwei verschiedenen Bezugssystemen aus Laengen gemessen, macht sich bemerkbar, dass bei der Messung der Gleichzeitigkeitsbegriff des jeweiligen Bezugssystems eingeht. Das Ergebnis der Laengenmessung haengt damit eben nicht nur von den Eigenschaften des Objekts ab, dessen Laenge gemessen wird, sondern ueber den Gleichzeitigkeitsbegriff auch vom Bezugssystem, in dem die Messungen stattfinden.

In der Speziellen Relativitaetstheorie ist Gleichzeitigkeit relativ: relativ zueinander bewegte Bezugssysteme beurteilen unterschiedlich, welche Ereignisse gleichzeitig stattfinden. Deswegen erhaelt man fuer die Laenge ein und desselben Objekts unterschiedliche Messergebnisse, je nachdem, in welchem Bezugssystem die Messung vorgenommen wird. Denn, wie gesagt, bei der Laengenmessung geht der Gleichzeitigkeitsbegriff des Bezugssystems ein.

Ist einer der von den verschiedenen Bezugssystemen aus gemessenen Laengenwerte richtig, und sind alle anderen zwangslaeufig Fehlmessungen? Keineswegs. Ebenso wenig wie der Umstand, dass die Geschwindigkeit ein und desselben Objekts von einem Bezugssystem aus gemessen 30 km/h betraegt, von einem zweiten Bezugssystem aus gemessen aber nur 20 km/h, bedeutet, dass einer dieser Werte eine Fehlmessung ist. Jeder der verschiedenen Messwerte ist der richtige Wert relativ zu dem Bezugssystem, in dem er gemessen wurde.

Ist es ein logischer Widerspruch, dass verschiedene Messergebnisse vorliegen? Ebenso wenig wie sich aus den erwaehnten 30 km/h und 20 km/h schliessen liesse, dass die klassische Physik auf die widerspruechliche Gleichung 30 = 20 fuehrt. In beiden Faellen haengt das Messergebnis vom Bezugssystem ab.

Mit den besten Gruessen,
Markus Poessel

P.S.: Ich stimme der Aussage zu, dass die klassische Geschwindigkeitsaddition falsch, aber in der Praxis (naemlich bei den im Alltag ueblichen Geschwindigkeiten, die im Vergleich zur Lichtgeschwindigkeit sehr klein sind) eine gute Naeherung ist, wenn es gilt, aus in einem Bezugssystem A gemessenen Geschwindigkeiten auf in einem relativ zu A bewegten Bezugssystem B gemessene Geschwindigkeiten zu schliessen.

Hierzu meine Antwort am selben Tag:

Von Jocelyne Lopez
An Markus Pössel
Datum: 28.09.08
Unser Austausch vom 21.09.08

Sehr geehrter Herr Dr. Pössel,

Vielen Dank für Ihre E-Mail vom 28.09.08.
Sie schreiben:

In der Speziellen Relativitaetstheorie ist Gleichzeitigkeit relativ: relativ zueinander bewegte Bezugssysteme beurteilen unterschiedlich, welche Ereignisse gleichzeitig stattfinden. Deswegen erhaelt man fuer die Laenge ein und desselben Objekts unterschiedliche Messergebnisse, je  nachdem, in welchem Bezugssystem die Messung vorgenommen wird.

Das habe ich schon seit vielen Jahren zur Kenntnis genommen, dass in der Speziellen Relativitätstheorie die Messergebnisse für die materielle Länge eines Objektes verschiedentlich ausfallen, je nach der Geschwindigkeit des Beobachters. Das wusste ich ja schon lange bevor wir unseren Dialog aufgenommen haben, das ist also an dieser Stelle keine neue Erkenntnis für mich.

Ausgerechnet meine Frage war nämlich, welches von zwei verschiedenen Messergebnissen als wahr und als der exakteste Wert für die materielle Länge eines Objekts anzusehen und als gültig zu erklären sei. Diese Frage haben Sie jetzt in Ihrem P.S. dankenswerterweise beantwortet: Das Messergebnis, das man nach Einstein erhält unter der mathematischen Berücksichtigung der Längenkontraktion – sprich der Geschwindigkeit des Beobachters – ist die exaktstete materielle Länge eines Objektes, wobei das Messergebnis ohne Berücksichtung dieser Längenkontraktion lediglich eine gute Näherung in unserer Alltagsdimension ist.

Damit sind erfreulicherweise erst einmal verwirrende Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt, womit man in Internetdiskussionen gängig konfrontiert wird, sogar zwischen ausgebildeten Physikern.

In diesem Zusammenhang habe ich auch in Foren folgende Austausche geführt, die mich sehr perplex gestimmt haben. Ich habe folgende Frage gestellt:

Wenn ich ruhend meinen Schreibtisch mit 1 m messe und beim Laufen mit 90 cm messe, sind beide Werte wahr und ich kann mich verbindlich darauf verlassen, dass er in eine Lücke von 90 cm auf jeden Fall passt?

Auf diese Frage habe ich von mehreren Teilnehmern sinngemäß die Antwort bekommen:

Wenn Du die Lücke beim Laufen gemessen hast: Ja.

Darauf hin habe ich erwidert:

Eure Argumentierung ist nur dann schlüssig und logisch haltbar, wenn beim Laufen mein materieller Maßstab sich auch entsprechend verkürzt. Sonst klappt das hinten und vorne nicht. Das wäre sonst vergleichbar mit der Situation, wo ich z.B. meinen Schreibtisch mit einem Maßstab in Meter und die Lücke mit einem Maßstab in Zoll messen würde, oder andersrum. Da läuft nichts Gescheites… 

Und bei der Meßvorschrift der SRT verkürzt sich bei der Messung beim Laufen zwar das Objekt, jedoch der Maßstab bleibt invariant. Da läuft auch nichts Gescheites…

Daraufhin erwiderte ein Teilnehmer:

Nein, in der Relativitätstheorie sind Maßstäbe eben nicht invariant, sondern abhängig vom Beobachter. Das nennt man Längenkontraktion.

Wieso sind in der Speziellen Relativitätstheorie die Maßstäbe nicht invariant sondern veränderlich??!

Mir ist nämlich schon von der Grundschule bekannt, dass man in der Physik und in der Empirie einen Maßstab immer als invariant voraussetzt und zweckmäßigerweise voraussetzen muß. Sonst wären wohl keine brauchbaren Längenmessungen in der Empirie, in der Technologie und in der Physik zu erzielen, das leuchtet wohl jedem ein. Ausgerechnet deshalb haben ja auch die Menschen seit jeher unveränderliche Maßstäbe per Konvention festgesetzt und Maßeinheitssysteme entwickelt.

Mir ist auch schon lange bekannt, dass Einstein in seiner neuen Meßvorschrift der SRT die Lichtgeschwindigkeit als Maßstab verwendet, und dass er ganz im Gegenteil postuliert, dass sie absolut invariant ist.

Meine Frage:

Was ist nun jetzt richtig: Ist die Lichtgeschwindigkeit invariant oder ist sie abhängig vom Beobachter?

Mit freundlichen Grüßen
Jocelyne Lopez



Dr. Harald Zycha: Die Rolle der Mathematik in der Naturwissenschaft

Auf die Homepage von Dr. rer. nat. Harald Zycha hat Ekkehard Friebe in seinem Forum hingewiesen, mit Leseproben aus dem Kapitel 7.3. des Buches aus dem Jahr 2008 : Natur und Ganzheit.

Nachstehend wiedergebe ich einige Auszüge aus dem Kapitel 7 dieses Buches (siehe Inhaltsverzeichnis):

7.3 Die Rolle der Mathematik in der Naturwissenschaft

Wer naturwissenschaftliche Fragen ohne Hilfe der Mathematik lösen will, unternimmt Undurchführbares.“ So hat vor 400 Jahren der Mathematiker Galilei die Mathematik zum Grundwerkzeug der Physik erklärt. Für den Beginn der klassischen Naturwissenschaft, die sich zur Grundlage der heutigen Technik weiterentwickelt hat, ist diese Vorstellung verständlich und daher naheliegend. Ohne Einsatz der Mathematik kann es auch keine Anwendung der Physik auf unsere Welt geben!

Weil aber jene Vorstellung, wie wir schon mehrfach gesehen haben, zu einer Überbewertung der Mathematik in der Physik geführt hat, mit all den „Nebenwirkungen“ durch die damit verbundenen erkenntnistheoretischen Irrtümer, möchte ich diese Problematik an dieser Stelle noch einmal explizit zur Sprache bringen. Vorweg die Feststellung: Die Mathematik ist (im Rahmen der Logik) die einzige wirklich exakte Wissenschaft, über die wir verfügen, aber es ist ein verhängnisvoller Irrtum anzunehmen, daß man mit ihrem Einsatz in der Physik auch deren Exaktheit auf diese übertragen hätte. Das soll in dem Folgenden deutlich gemacht werden.

Es geht also jetzt konkret um die Frage, was die Mathematik in der Naturwissenschaft leistet: Inwieweit vermittelt sie einen Bezug dieser Wissenschaft zur Realität bzw. zur Wirklichkeit? Kann sie neue Seins-Erkenntnisse zutage fördern?

Hierzu zunächst zwei positive Stellungnahmen. B. Kanitscheider: „In der aristotelischen Wissenschaftsphilosophie fehlt eine wesentliche Zielvorstellung, die wir heute als für einen hohen Erfolgsgrad der Erkenntnis unabdingbar ansehen, nämlich die Mathematisierung.“ W. Heisenberg: „Unter allen möglichen Formen des Verständnisses wird die eine, in der Mathematik praktizierte Form als das ‚eigentliche‘ Verständnis ausgewählt.“ Damit geht Heisenberg in der Mathematik-Euphorie sicher am weitesten, indem er den philosophischen Zusammenhang, nämlich das Verstehen, von der mathematischen Behandlung der Natur abhängig machen will. Diese zunächst ungebremste Begeisterung für eine solche Auffassung zeigt sich auch in seiner allseits bekannten, aber immerhin doch vergeblichen Suche nach einer mathematischen Weltformel.

Heisenberg räumt aber dann doch an einer anderen Stelle ein, daß wir im Hinblick auf die in der Atomphysik verwendete „hochentwickelte mathematische Sprache, die hinsichtlich Klarheit und Präzision alle Ansprüche befriedigt [ … ] nicht wissen, wie weit [sie] auf die Erscheinungen angewendet werden kann. Letzten Endes muß sich auch die Wissenschaft auf die gewöhnliche Sprache verlassen, da sie die einzige Sprache ist, in der wir sicher sein können, die Erscheinungen wirklich zu ergreifen.“

In diesen widersprüchlichen Äußerungen ist eine gewisse Unsicherheit gegenüber der mathematischen Methode nicht zu übersehen. Und hier setzt dann auch die eigentliche Kritik an. Paul Feyerabend: „Die moderne Wissenschaft hat mathematische Strukturen entwickelt, die alles Bisherige an Systematik und Allgemeinheit übertreffen. Doch um dieses Wunder zu wirken, mußten alle bestehenden Schwierigkeiten in die Beziehung zwischen Theorie und Tatsachen verschoben und durch Ad-hoc-Näherungen und andere Verfahren verdeckt werden.“ Feyerabend illustriert diesen Vorwurf an einem Beispiel aus von Neumanns Arbeiten zur Quantenmechanik.
[…]
Der Einsatz der Mathematik in der Physik enthält also zwei Schwachpunkte: zum einen die Beschränkung ihres Bezugs zur Natur durch ihre einengende, abstrahierende Präzision, zum anderen ihre erkenntnistheoretische Sterilität, auf die ich jetzt noch etwas näher eingehen möchte.

Diese Sterilität liegt schon im tautologischen Charakter der Mathematik, der nach H. Weyl nur durch das Prinzip der „vollständigen Induktion“ durchbrochen wird, das aber in der Anwendung auf die Physik kaum jemals zum Zuge kommen dürfte. Ein tautologisches System hat (in der Kantschen Ausdrucksweise) rein analytischen Charakter, keinen synthetischen, kann also prinzipiell niemals eine neue Erkenntnis hervorbringen, sondern nur eine bereits bekannte Aussage, und sei sie noch so versteckt in die Theorie eingebracht, in eine andere Form überführen.
[…]
Für unseren Zusammenhang ergibt sich aus dem Vorstehenden die besonders wichtige Konsequenz: Man darf nicht eine mathematische Umformung bestehender theoretischer Zusammenhänge für eine qualitativ neue (Seins-)Erkenntnis ausgeben, sie liefert nur eine quantitative Präzisierung bereits vorhandener Datenzusammenhänge. Der erkenntnistheoretische Gehalt einer physikalischen Theorie liegt also niemals in ihrem mathematischen Apparat, sondern ausschließlich in den Prämissen, in den Vorstellungen und Annahmen, die der mathematischen Behandlung unterworfen werden.

Deshalb kann man auch nicht mit den Deutungsproblemen einer Theorie zurechtkommen, wenn man die Ursachen im mathematischen Apparat sucht. Und völlig absurd finde ich es, wenn man diesen Apparat oder schließlich sogar die Grundlagen unserer ganzen Logik auf den Kopf stellt, nur um die Fehler, die man nicht erkennt, am Leben zu erhalten.
[…]
Dies alles ist keineswegs eine Kritik an der Mathematik, ganz im Gegenteil: In meinen Augen ist die Mathematik, einschließlich der Geometrie, nicht nur die exakteste aller Wissenschaften, sondern auch die schönste, deren Ästhetik sich dem erschließt, der in ihre Geheimnisse tiefer eingedrungen ist. Ihr etwaiger philosophischer Bezug zur Wirklichkeit unserer Welt kann jedoch nicht damit erzwungen werden, daß man ihr kunstvoll gewebtes Netz zerstört, wie das die modernen Physiker versuchen.

(Dr. Harald Zycha)



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