Blog – Jocelyne Lopez

Die Relativitätstheorie lebt von der sprachlichen Unschärfe und der Verschleierung des Unerwünschten

In seinem “13. Briefes aus meiner Mühle“ stellt Dr. Wolfgang Herrig über dem Umgang mit der Kritik in der theoretischen Physik wichtigen Überlegungen zur Diskussion, z.B.:

Es gibt eine ganze Schar hauptberuflicher Literaturkritiker, deren einzige Aufgabe das Kritisieren ist. In der Naturphilosophie (heute meist Physik oder Theoretische Physik genannt) ist das auffälligerweise nicht so. Kritik ist nicht etablierter Bestandteil des Systems, und das ist als ausgesprochener Rückschritt zu werten.
[…]
Was man stattdessen findet ist aber eine Kultur des Verschweigens und der sprachlichen Unschärfe, über die man sich normalerweise keine Rechenschaft ablegt.
[…]
Wie man findet oder wie es scheint, ist die sprachliche Unschärfe an solchen Stellen im Text keineswegs zufällig. Sprache dient seit jeher in allen menschlichen Bereichen, auch und gerade in der Naturphilosophie, sowohl zur Erklärung des Gewollten als auch zur Verschleierung des Unerwünschten. Keine Mathematik der Welt kann daran etwas ändern.

(Dr. Wolfgang Herrig)

 

Folgende Austausche aus der anschließenden Diskussion zum Artikel von Dr. Herrig veranschaulichen meiner Meinung nach am Beispiel der Speziellen Relativitätstheorie, dass die Sprache in der Tat nicht zur Erklärung des Gewollten, sondern leider zur Verschleierung des Unerwünschten eingesetzt werden kann: 

25.01.10 – Zitat von Chrys:

Eine schlussendliche Antwort hängt also ganz massgeblich von Ihrer eigenen Bestimmung der Begriffe “real” und “scheinbar” ab. Das müssen Sie dann schon genauer präzisieren, wenn Sie sich in diesem Kontext unmissverständlich ausdrücken wollen, dasselbe gilt entsprechend für Dr. Herrig und seine Ausführungen. Wenn Sie das aber nicht tun, dann müssen Sie auch den Vorwurf der gewollten Verschleierung des Unerwünschten an sich selber richten. So viel zum Stichwort “sprachliche Unschärfe”.

25.01.10 – Zitat von Jocelyne Lopez:

Die Definition des Begriffes „real“ habe ich schon lange in dieser Diskussion und in vielen anderen herbeigeführt, sie liegt in diesem Kontext auch auf der Hand, so einfach ist sie: die Verkürzung eines Objektes kann man als real bezeichnen, wenn sie materiell ist. Darüber kann wohl ohne Problem ein Konsens erzielt werden, oder? Sogar Dr. Markus Pössel konnte nach monatelangem Taktieren nicht länger verhindern, auf die Realität der Längenkontraktion als materiell oder nicht materiell einzugehen. Und davon sprechen wir auch hier die ganze Zeit, von einer materiellen oder von einer nicht-materiellen Verkürzung, von der materiellen Veränderung eines physikalischen Zustandes in der Natur oder von einem abstrakten, mentalen Denkmuster von Menschen, von der Welt der „Dinge“ oder von der Welt der „Ideen“.

25.01.10 – Zitat von Chrys:  

Glauben Sie, Frau Lopez, dass die Änderung der E-Feldstärke bei Koordinatenwechsel wie zuvor beschrieben “real” ist? Wenn ja, dann — und nur dann — müssen Sie das auch für die Änderung der Länge annehmen.

25.01.10 – Zitat von Jocelyne Lopez:

Es geht in der SRT nicht um die Messung und die Änderung von E-Feldern, sondern ausdrücklich um die Messung und die Änderung der Länge von materiellen Objekten. E-Felder und Länge von materiellen Objekten werden auch mit anderen Geräten, anderen Messanordnungen und anderen Einheiten gemessen. Man kann nicht alle Messungen und Einheiten in der Physik durcheinander würfeln, oder? Einstein spricht ausdrücklich bei der Längenkontraktion 1905 in seiner Arbeit Zur Elektrodynamik bewegter Körper, Seiten 895-896, von der Länge eines Stabes:

a) die Länge l des ruhenden Stabes gemessen mit einem ruhenden Maßstabes/Beobachter:

“Es sei ein ruhender starrer Stab gegeben; derselbe besitze, mit einem ebenfalls ruhenden Maßstabe gemessen, die Länge l.“

b) die Länge l’ des bewegten Stabes, gemessen mit 2 ruhenden Uhren:

“Der Beobachter ermittelt mittels im ruhenden Systeme aufgestellter, gemäß § 1 synchroner, ruhender Uhren, in welchen Punkten des ruhenden Systems sich Anfang und Ende des auszumessenden Stabes zu einer bestimmten Zeit t befinden.“

Albert Einstein „findet“ in seiner Arbeit, dass die Längen l und l’ verschieden sind:

“Die bei der Operation b) zu findende Länge, welche wir „die Länge des (bewegten) Stabes im ruhenden System” nennen wollen, werden wir unter Zugrundelegung unserer beiden Prinzipien bestimmen und finden, dass sie von l verschieden ist.”

allerdings ohne sich festzulegen, ob es sich bei diesem Längenunterschied um eine materielle Verkürzung des Objektes handelt (wie bei Lorentz) oder lediglich um einen Meßeffekt (Eindruck des Beobachters). Einstein selbst spricht abwechselnd von „ist verkürzt“ oder „erscheint verkürzt“. Die Vertreter der Theorie bedienen sich bis heute noch munter derselbe sprachlichen Unschärfe und sind seit 100 Jahren überhaupt nicht daran interessiert, kein bisschen, diesen einfachen Punkt zu klären. Das ist auch verständlich: Die SRT kann sich nur durch diese sprachliche Vernebelung halten und die Theorie ist weg vom Fenster, wenn diese Frage offen und unmissverständlich geklärt wird:

a) verkürzt sich die Länge der bewegten Objekte materiell, dann ist die SRT nichts Anderes als die Lorentztheorie, wobei die Erklärung der physikalischen Ursache der Verkürzung fehlt, sowohl bei absoluter als auch bei relativer Bewegung,

b) verkürzt sich die Länge der bewegten Objekte nicht materiell, dann ist die SRT völlig irrelevant, sowohl in der Natur als auch in der Physik. Wen interessiert schon die Eindrücke oder die Fehler beim Ablesen von Instrumenten von unendlich vielen Beobachtern?

So oder so ist es schlecht bestellt um die SRT, wenn die Frage der Realität der relativistischen Effekte offen und unmissverständlich geklärt wird.

Dabei wurde diese Frage nun mal 2008 offiziell von einer Stelle geklärt, die 2007 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als autorisiert und kompetent zur Klärung von wissenschaftlichem Meinungsstreit genannt wurde, die Max Planck Gesellschaft für Gravitationsphysik / Albert Einstein Institut: Die Längenkontraktion von bewegten Objekten ist nicht materiell.

Die SRT ist also offiziell und amtlich physikalisch irrelevant.

Wie die beiden promovierten Physiker Georg Galeczki und Peter Marquardt in ihrem gemeinsamen Buch „Requiem für die Speziellen Relativität“ gesagt haben: „Sie ist nicht einmal falsch…“

(Jocelyne Lopez)

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Siehe auch:
Ansprache an das Bundesministerium für Bildung und Forschung