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Wie schon gesagt waren  meine Tauchurlaube auf den Malediven mein erstes und einziges Fernziel. Das erste Mal habe ich mich also als pflichtbewusste Touristin reichlich über die Malediven informiert  und  eingelesen. Mindestens 3,2 kg  Bücher und diverse Reiseunterunterlagen  über  das  dringend  empfohlene

erforderliche und unentbehrliche Grundwissen: Impfungen, Malaria-Prophylaxe, Reiseapotheke, Klima, Währung, Jahreszeiten, Temperatur des Wassers und der Luft, Land und Leute, ökologische, geographische, geologische, ethnische, historische, anthropologische und soziokulturelle Besonderheiten. Sowie natürlich mindestens 500 g dringend empfohlene Basisinformationen über das dringend empfohlene Grundverhalten gegenüber der lokalen Umwelt und der einheimischen Bevölkerung, wenn man Schwierigkeiten mit der internationalen Community vermeiden möchte.

 

Hier in Kurzform die Ergebnisse meines Informationsbestrebens:

 

-     Die Malediven bestehen aus einem Archipel von Tausenden von winzigen Inseln im hoch empfindlichen Ökosystem der Korallenriffe des Indischen Ozeans.

 

-    Die Malediven sind ein der ärmsten Länder der Welt. Respektieren Sie das Eigentum der einheimischen Bevölkerung, so geringfügig es Ihnen erscheint, und die Umwelt der einheimischen Bevölkerung, so luxuriös sie Ihnen erscheint. 

 

-    Die einheimische Bevölkerung besteht der neusten Untersuchungen nach aus den  Nachkommen von diversen eingewanderten Ethnien aus Indien, Sri-Lanka, Arabien,  und vermutlich auch anderen unbekannten Herkünften. Die wissenschaftlichen Untersuchungen laufen weiter.

 

-     Die Einheimischen sind Moslems.

 

-     Die einheimische Bevölkerung legt Wert auf ihre kulturelle Identität und deren  Bewahrung. Respektieren Sie dieses Bestreben. Dafür gibt es so genannte „Touristen-Insel“, mit ausschließlich männlicher Bedienung. Die Frauen leben mit ihren Kindern und Alten auf so genannten „Fischer-Inseln“.

 


So gut ausgestattet, vorbereitet und informiert treffen wir also eines Tages in unserer ersten winzigen Touristen-Insel, Bandos, an. Die einheimische männliche Bedienung erwartet uns wie erwartet mit einem alkoholfreien Cocktail. Ich nehme es aus Höflichkeit an, gehe aber gleich zum Strand, um meine neue fremde Umwelt zu erkunden – rund um die Insel in 10 Minuten. In ziehe meine Sandaletten aus, kremple meine Klamotten hoch und gehe im Wasser am Strand entlang. Ein Wasser wie keins… Klar, durchscheinend, angenehm lauwarm und doch angenehm erfrischend, mit vielen bunten Aquariumsfischen drin, mit zauberhaften türkisfarbenen Lichtspiegelungen. Das Paradies.

Irgendwann komme ich an einen mit Blechdach bedeckten Bungalow vorbei, ein bisschen abseits stehend von den Touristen-Bungalows, die auch blechdachbedeckt sind aber nicht blau angemalt. Ein Einheimischer ist dort, mit dem Rücken von mir zugedreht. Er wäscht sich die Füße mit dem Wasser aus einem Eimer. Ich komme ein bisschen näher und beobachte ihn. Warum wäscht er sich die Füße mit einem Eimer, wenn er das Meer in 10 m Entfernung hat? Er muß sich beobachtet gefühlt haben. Er dreht sich um und guckt mich an. Ich so schüchtern wie ich bin gehe schnell meine Runde weiter. Nach ein paar Metern fühle ich brennende Schmerzen in den Beinen. Ich gucke sie an: Meine Beine sind rot wie Feuer, als ob ich Tausend Peitschenschläge bekommen hätte… Na ja, nach ein paar Stunden verschwindet das Feuer.



 
 


Am  Abend gehen  wir  zu  einem Info-Treffen für tauchwillige Neuankömmlinge, organisiert von dem lokalen Tauchlehrer, der einzige Mensch auf der Insel, der weder Tourist noch Einheimischer war. Es war ein Deutscher, ein ehemaliger Lehrer, der irgendwann Frau und Kinder zurückgelassen hatte und seit ein paar Jahrhunderten auf der Insel lebte, dort als Tauchlehrer, Apotheker, Fischer, Haienfutterer, Ökologen, Fernseh-Fußballguckender und dabei Biertrinkender tätig war. Er sagte zu uns: „Ihr könnt alles tun was Ihr wollt auf der Insel, bloß drei Sachen nicht:


1.  Ihr sollt heute nicht am Strand im Wasser laufen. Seit zwei Tagen haben wir eine kleine Invasion von türkisfarbenen Geißelquallen. Es ist nicht schlimm, morgen sind sie wieder verschwunden.

 

2.  Ihr sollt nicht an den blau angemalten Bungalow zu nahe rankommen. Das ist die Moschee. Den Diskretionsabstand bitte beachten.

 

3.  Für die Frauen: Ihr sollt die Männer nicht zu direkt ins Gesicht angucken, à la europäisch. Es sind Moslems, das schockiert sie.

 

So, jetzt frage ich mich: Wozu habe ich ca. 10 kg Bücher und Reiseunterlagen gelesen, wenn man nicht mal die notwendigen Informationen für den alltäglichen Gebrauch drin findet? Das frage ich mich.                   
 

   

 

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