{"id":479,"date":"2008-11-16T08:45:15","date_gmt":"2008-11-16T07:45:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/?p=479"},"modified":"2009-06-19T15:39:56","modified_gmt":"2009-06-19T14:39:56","slug":"7-das-forschungsprojekt-go-mueller-zieht-eine-zwischenbilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/2008\/11\/7-das-forschungsprojekt-go-mueller-zieht-eine-zwischenbilanz\/","title":{"rendered":"7 &#8211; Das Forschungsprojekt G.O. Mueller zieht eine Zwischenbilanz"},"content":{"rendered":"<p>Nachstehend\u00a07. Abschnitt der bisher unver\u00f6ffentlichen Arbeit <a href=\"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/?p=455\" target=\"_blank\"><em>Das Forschungs-<\/em><em><br \/>\n<\/em><em>projekt G.O. Mueller zieht eine Zwischenbilanz<\/em><\/a>, die im Forum von Ekkehard Friebe als <a href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/friebeforum\/thread.php?threadid=651&amp;sid=04e68a9c48641e9b6d8ceac60dbd5cd2\" target=\"_blank\"><strong><em><span style=\"color: #8e1600;\">Fortsetzungsreihe<\/span><\/em><\/strong><\/a>\u00a0vorgestellt wird:<\/p>\n<blockquote>\n<blockquote><p><strong>Max Planck plant den &#8222;<em>Staatsstreich in der Physik<\/em>&#8220; 1922<br \/>\n<\/strong><br \/>\nZwei Jahre sp\u00e4ter drohte die n\u00e4chste gro\u00dfe Gelegenheit f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber die beiden Relativit\u00e4tstheorien Albert Einsteins: im Herbst 1922 sollte n\u00e4mlich die Jahrhundertfeier der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und \u00c4rzte (GDN\u00c4) in Leipzig stattfinden. Da einerseits die vernichtende Kritik dieser Theorien nicht aufgeh\u00f6rt, sondern sich eher verst\u00e4rkt hatte, die Theorievertreter andererseits keine \u00fcberzeugenden Argumente zur Abwehr der Kritik gefunden hatten, drohte den Relativisten eine Neuauflage der Blamage von Bad Nauheim.<\/p>\n<p>Um diese zu verhindern, organisierte der &#8222;<em>Reichskanzler der Physik<\/em>&#8220; Max Planck zusammen mit den anderen Spitzenvertretern der Relativistik bei den Planungen im Fr\u00fchjahr 1922 einen Boykott und vollst\u00e4ndigen Ausschlu\u00df der Kritiker aus dem Programm f\u00fcr Leipzig: <strong>kein Vortrag eines Kritikers zu den Relativit\u00e4tstheorien sollte gehalten werden, eine Diskussion \u00fcber die Theorien wurde nicht vorgesehen. Daf\u00fcr wurden zwei Jubelvortr\u00e4ge \u00fcber die Relativit\u00e4tstheorie angesetzt:<\/strong> Max v. Laue \u00fcber &#8222;<em>Die Relativit\u00e4tstheorie in der Physik<\/em>&#8220; und Moritz Schlick \u00fcber &#8222;<em>Die Relativit\u00e4tstheorie in der Philosophie<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>Damit sollte die bisherige so unbequeme Wissenschaftsfreiheit in der theoretischen Physik abgeschafft und die &#8222;<em>Wissenschaftlichkeit<\/em>&#8220; und Akzeptanz der Relativistik fortan garantiert werden: nur noch Relativisten sollten zu Wort kommen, Kritik wurde abgeschafft, Kritiker galten gar nicht mehr als ernsthafte Wissenschaftler, sondern sollten fortan gebrandmarkt werden als &#8222;<em>Au\u00dfenseiter<\/em>&#8222;, als ausgeschlossene und rechtlose Dissidenten.<\/p>\n<p>Die Leitung der GDN\u00c4 hatte sich dazu hergegeben, ihre beabsichtigte Jubelfeier zum Begr\u00e4bnis und zur Totenfeier der Wissenschaftsfreiheit auf einem allgemein interessierenden Gebiet umfunktionieren zu lassen. <strong>Im Jahr 1922 sollte die wirkliche Revolution in der Physik stattfinden: von jetzt an sollte \u00fcber die Richtigkeit von Theorien endg\u00fcltig durch die Mehrheit entschieden werden<\/strong> &#8211; und die Minderheit sollte in dieser &#8222;<em>Wissenschaft<\/em>&#8220; \u00fcberhaupt nicht mehr existieren.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">&#8212;<\/span><\/p>\n<p><strong>Die Reaktion Lenards auf die geplante Machtergreifung: sein &#8222;<em>Mahnwort<\/em>&#8220; Juli 1922<\/strong><\/p>\n<p>Sobald die Pl\u00e4ne Plancks f\u00fcr eine kalte Machtergreifung der Relativisten im Fr\u00fchjahr 1922 bekannt wurden, schrieb der prominenteste Kritiker der Relativit\u00e4tstheorien, Philipp Lenard, ein &#8222;<em>Mahnwort an deutsche Naturforscher<\/em>&#8222;, das er mit &#8222;<em>Juli 1922<\/em>&#8220; datierte und der 2., vermehrten Auflage seines B\u00fcchleins &#8222;<em>\u00dcber \u00c4ther und Ur\u00e4ther<\/em>&#8220; mit auf den Weg gab. Darin antwortet er auf den Plan der Machtergreifung zum ersten Mal in kritischen Ver\u00f6ffentlichungen zur Relativit\u00e4tstheorie u. a. mit antisemitischen Vorw\u00fcrfen, die Juden wollten der deutschen \u00d6ffentlichkeit die Theorie des Juden Albert Einstein aufzwingen.<\/p>\n<p>Abgesehen von dem inakzeptablen rassistischen Vorwurf schien Lenard dabei v\u00f6llig zu \u00fcbersehen, da\u00df der Hauptverantwortliche Max Planck und mehrere seiner Mitstreiter gar keine Juden waren, und da\u00df die effektive Parteinahme der Mehrheit der Physiker f\u00fcr die Relativit\u00e4tstheorien gar nichts mit dem Judentum Albert Einsteins zu tun hatte, sondern da\u00df sie Einstein dankbar waren f\u00fcr die &#8222;<em>Abschaffung<\/em>&#8220; des \u00c4thers, die sie f\u00fcr endg\u00fcltig hielten und als endg\u00fcltig besiegelt sehen wollten.<\/p>\n<p><strong>Die unbestreitbare Mehrheit der Physiker, auf die sich die Relativisten bis heute gern berufen, w\u00fcnschte damals wie heute die Abschaffung des \u00c4thers um jeden Preis, selbst um den Preis der Wissenschaftlichkeit ihrer Disziplin, die fortan nur noch eine sektiererische Veranstaltung zur Anbetung ihres Ober-Guru und Weltumw\u00e4lzers und zur Propaganda seiner Dogmen wurde<\/strong> und alle b\u00f6sen Ungl\u00e4ubigen mit Ha\u00df und Verleumdung aus dem Tempel ihrer &#8222;<em>Wissenschaft<\/em>&#8220; vertrieb.<\/p>\n<p>Es ist eine Ironie des Schicksals und zeigt den Geisteszustand dieser Disziplin, da\u00df zu dem Zeitpunkt der endlichen &#8222;<em>Abschaffung des \u00c4thers<\/em>&#8220; durch Ausschlu\u00df der Kritiker und \u00c4ther-Anh\u00e4nger im Jahr 1922 ihr Oberguru selbst den \u00c4ther schon 2 Jahre vorher, n\u00e4mlich 1920 (!) in seinem Vortrag in Leiden wieder eingef\u00fchrt hatte. Dieser Vortrag hat die Physiker nie interessiert, viele kennen ihn gar nicht &#8211; wenn man ihre Propaganda-B\u00fccher \u00fcber die Relativit\u00e4tstheorie liest. Und da\u00df sie selbst inzwischen sogar an ein &#8222;<em>fluktuierendes Vakuum<\/em>&#8220; glauben, kann sie auch heute noch nicht irritieren.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">&#8212;<\/span><\/p>\n<p><strong>Die Vorg\u00e4nge in Leipzig im September 1922<\/strong><\/p>\n<p>Die Jahrhundertfeier der GDN\u00c4 in Leipzig verlief, wie von Max Planck und seinen Mitstreitern geplant. W\u00e4hrend der 1. Vorsitzende Max Planck in seiner Festansprache verk\u00fcndete: &#8222;<em>Sie [die GDN\u00c4] will immerdar sein eine St\u00e4tte der freien wissenschaftlichen Forschung<\/em>&#8220; (nach: Verhandlungen &#8230; 1923, S. 33), lie\u00dfen die somit nicht mehr &#8222;<em>immerdar<\/em>&#8220; zur &#8222;<em>freien wissenschaftlichen Forschung<\/em>&#8220; geh\u00f6renden <strong>Theoriekritiker einen Protest-Handzettel gegen den Ausschlu\u00df jeglicher Kritikm\u00f6glichkeit<\/strong> auf der Stra\u00dfe vor dem Tagungsgeb\u00e4ude verteilen: eine Art erstmaliger &#8222;<em>au\u00dferparlamentarische Opposition<\/em>&#8220; gegen die dogmatische theoretische Physik. Zu den 19 Unterzeichnern geh\u00f6rten neben Nobelpreistr\u00e4ger Lenard mehrere Professoren und Wissenschaftler; vgl. das Referat \u00fcber den Handzettel in unserer Dokumentation, S. 374 &#8211; 375; ferner \u00fcber die Machtergreifung in Leipzig insgesamt, S. 270 &#8211; 275.<\/p>\n<p>In unserer von den Physikern gleichgeschalteten akademischen und akademie-gef\u00f6rderten Wissenschaftsgeschichte wird Leipzig 1922 nat\u00fcrlich auch noch im Jahre 2000 als Triumph der Genies und der endg\u00fcltig wahren Relativit\u00e4ts-Lehre \u00fcber den Dumpfsinn gefeiert (vgl. z. B. Sch\u00f6nbeck, Charlotte: Albert Einstein und Philipp Lenard. Berlin 2000. 42 S. [Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Math.-naturwiss. Kl. 8.]; dort auch eine Abbildung des Handzettels).<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist das Schicksal der Kritiker nicht mehr so verwunderlich: ihre Personen und ihre Ver\u00f6ffentlichungen gelten einfach nicht mehr als existent.<\/p>\n<p>(G.O. Mueller)<\/p><\/blockquote>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachstehend\u00a07. Abschnitt der bisher unver\u00f6ffentlichen Arbeit Das Forschungs- projekt G.O. 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