{"id":377,"date":"2008-07-19T16:39:00","date_gmt":"2008-07-19T15:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/?p=377"},"modified":"2008-07-20T07:34:09","modified_gmt":"2008-07-20T06:34:09","slug":"martin-wagenstein-es-ist-ein-vergehen-an-jungen-menschen-ihnen-etwas-beibringen-zu-wollen-was-sie-unmoglich-verstehen-konnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/2008\/07\/martin-wagenstein-es-ist-ein-vergehen-an-jungen-menschen-ihnen-etwas-beibringen-zu-wollen-was-sie-unmoglich-verstehen-konnen\/","title":{"rendered":"Martin Wagenstein: Es ist ein Vergehen an jungen Menschen, ihnen etwas beibringen zu wollen, was sie unm\u00f6glich verstehen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Im Zusammenhang mit meinem Gedankenexperiment <font color=\"#800080\"><u><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/?p=333\">Was w\u00fcrde am Strand passieren?<\/a><\/u> <\/font>verweise ich auf Aussagen\u00a0aus einem Artikel in HEISE-Online vom 12.02.08:<\/p>\n<blockquote>\n<blockquote><p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/27\/27234\/1.html\">Christian Gapp<br \/>\nBegraben unter Ph\u00e4nomenen <\/a><\/p><\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote><p>Der Lehrer und Didaktiker Martin Wagenschein ver\u00f6ffentlichte 1975 seinen unter Experten bekannten Aufruf &#8222;<em>Rettet die Ph\u00e4nomene!<\/em>&#8222;. Darin forderte er, in den Naturwissenschaften nicht nur abstraktes Wissen zu vermitteln, sondern Sch\u00fclern durch die aktive Untersuchung ihnen selbst zug\u00e4nglicher Ph\u00e4nomene zu erm\u00f6glichen, wissenschaftliche Methodiken zu erlernen. Dabei ging es ihm nicht darum, praktische Anwendungen zu vermitteln, sondern die Sch\u00fcler sollten, so wie die ersten Wissenschaftler auch, von ihnen selbst beobachtbaren Ph\u00e4nomenen ausgehen und im Verlaufe von Untersuchungen dazugeh\u00f6rige theoretische Begriffe und Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeiten entwickeln. Als Beispiel nannte er eine Gruppe von Sch\u00fclern, die untersucht, wie Schatten entstehen. Die von den Sch\u00fclern zu entwickelnden Hypothesen und Theorien sind immer abstrahierend. Im Gegensatz zum einfachen Vorsetzen von Theorien forderte Wagenschein jedoch, dass die Kinder den Abstraktionsprozess selbst lernen sollten. Er war in diesem Punkt kompromisslos und meinte, was Sch\u00fclern ph\u00e4nomenologisch nicht zug\u00e4nglich sei, solle in der Schule auch nicht gelehrt werden.<\/p>\n<p>Ganz besonders war ihm die Atomphysik ein Dorn im Auge: &#8222;<em>Ich glaube nicht, dass es gut ist, in der Mittelschule viel von Atomphysik und Elektronen zu reden. Jede anschaulich r\u00e4umliche Vorstellung dieser Gebilde ist ganz einfach falsch.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Wagenscheins Ansatz l\u00e4sst sich leicht von der Physik auf die Mathematik \u00fcbertragen. Auch mathematische Methoden lassen sich erlernen, indem die Sch\u00fcler von ihnen unmittelbar zug\u00e4nglichen Fragestellungen ausgehen.<\/p>\n<p>Oberfl\u00e4chlich betrachtet wird Wagenschein somit zum fr\u00fchen Protagonisten einer praktischen Mathematik- und Physikdidaktik &#8222;<em>zum Anfassen<\/em>&#8222;. Zu seiner Zeit waren seine Appelle jedoch weitgehend wirkungslos, zumindest was die deutsche Schulpraxis angeht. Wer jedoch glaubt, die gegenw\u00e4rtige Orientierung der Nach-PISA-Zeit auf praktische Anwendungsm\u00f6glichkeiten w\u00e4re eine sp\u00e4te Rehabilitierung Wagenscheins, der irrt gewaltig.<\/p>\n<p><tpxrz><\/tpxrz>(Christian Gapp)<\/p><\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<p><tpxrzxtext><\/tpxrzxtext><\/p>\n<p><em>Es ist ein Vergehen an jungen Menschen, ihnen etwas beibringen zu wollen, was sie unm\u00f6glich verstehen k\u00f6nnen, oder, um es verst\u00e4ndlich zu machen, es falsch darzustellen.<br \/>\n(Martin Wagenschein)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zusammenhang mit meinem Gedankenexperiment Was w\u00fcrde am Strand passieren? verweise ich auf Aussagen\u00a0aus einem Artikel in HEISE-Online vom 12.02.08: Christian Gapp Begraben unter Ph\u00e4nomenen Der Lehrer und Didaktiker Martin Wagenschein ver\u00f6ffentlichte 1975 seinen unter Experten bekannten Aufruf &#8222;Rettet die Ph\u00e4nomene!&#8222;. 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