{"id":340,"date":"2008-06-24T07:29:56","date_gmt":"2008-06-24T06:29:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/?p=340"},"modified":"2008-06-24T07:29:56","modified_gmt":"2008-06-24T06:29:56","slug":"dr-walter-theimer-der-blick-einsteins-war-auf-die-invarianz-fixiert-die-zu-den-mystischen-postulaten-der-relativitatstheorie-fuhrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/2008\/06\/dr-walter-theimer-der-blick-einsteins-war-auf-die-invarianz-fixiert-die-zu-den-mystischen-postulaten-der-relativitatstheorie-fuhrt\/","title":{"rendered":"Dr. Walter Theimer : Der Blick Einsteins war auf die Invarianz fixiert, die zu den mystischen Postulaten der Relativit\u00e4tstheorie f\u00fchrt"},"content":{"rendered":"<p>Nachstehend Ausz\u00fcge aus dem Buch von Dr. Walter Theimer<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/?p=168\"> Die Relativit\u00e4tstheorie &#8211; Lehre &#8211; Wirkung &#8211; Kritik<\/a>, Seite 168-170:<\/p>\n<blockquote>\n<blockquote><p><strong>Der Mathematismus<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben zur Gen\u00fcge gesehen, da\u00df es sich bei der Relativit\u00e4tstheorie mehr um philosophische als physikalische Probleme handelt. Die Problematik ber\u00fchrt nicht nur Einzelfragen, sondern das ganze Verh\u00e4ltnis von Mathematik, Physik und Philosophie. Einstein ist prim\u00e4r Mathematiker. Die Mathematik ist f\u00fcr ihn die h\u00f6chste Instanz. Sein Weltbild ist \u00ab<em>mathematomorph<\/em>\u00bb [<u>Fu\u00dfnote:<\/u> Wir verwenden diesen Ausdruck in Ankn\u00fcpfung an Topitschs Einteilung der Weltbilder in \u00ab<em>technomorphe<\/em>\u00bb und \u00ab<em>soziomorphe<\/em>\u00bb (Topitsch 1969)]. In ihm erscheint die Welt als mathematische Struktur. Sie ist geordnet und harmonisch; ihre Harmonie l\u00e4\u00dft sich in Differentialgleichungen ausdr\u00fccken. Die Urspr\u00fcnge dieses Weltbilds lassen sich auf Platon und Pythagoras zur\u00fcckverfolgen.<\/p>\n<p><font color=\"#ffffff\">&#8212;-<\/font><\/p>\n<p><strong>Invarianz als oberstes Prinzip<\/strong><\/p>\n<p>Einsteins Ziel war ein Mathematiker-Ideal: die Naturgesetze so zu formulieren, da\u00df sie in allen wie immer bewegten Systemen dieselbe mathematische Form annahmen, d. h. gegen bestimmte Transformationen invariant blieben. Der Laie versteht schwer, warum das so wichtig sein soll, und schon der Experimentalphysiker h\u00e4lt die Sache, wenn auch f\u00fcr l\u00f6blich, nicht f\u00fcr das Hauptziel seiner Wissenschaft. Er zieht praktische und verst\u00e4ndliche Gesetze vor, auch wenn sie nicht invariant sind und verschiedene mathematische Ausdr\u00fccke erfordern.<\/p>\n<p>Der Blick Einsteins war auf die Invarianz fixiert. Die aus ihr gefolgerten Dinge sind automatisch wahr, denn die Invarianz repr\u00e4sentiert die Struktur der Welt. Das Ideal der Invarianz ist es, das zu den mystischen Postulaten der Relativit\u00e4tstheorie f\u00fchrt. Um die elektromagnetischen Gleichungen in allen bewegten Systemen invariant zu machen, m\u00fcssen Ma\u00dfst\u00e4be kontrahieren, m\u00fcssen Uhren nachgehen, mu\u00df auf Gleichzeitigkeit verzichtet werden. Der Raum mu\u00df krumm werden, um die Gravitationsgleichungen invariant zu machen. Einstein ersinnt die seltsamsten Eigenschaften der Dinge, um sie in sein mathematisches Schema pressen zu k\u00f6nnen. Wie einst Hegel die Welt aus dem Begriff konstruierte, konstruiert Einstein die Welt aus invarianten Gleichungen.<\/p>\n<p>Es hat schon fr\u00fcher Leute gegeben, die sagten, ein genialer Mathematiker m\u00fc\u00dfte alle Naturgesetze spekulativ aus der mathematischen Struktur der Welt ableiten k\u00f6nnen, ohne je aus seiner Studierstube herausgekommen zu sein. Experimente seien zur Naturerkenntnis im Grunde unn\u00f6tig. Gegen diesen super-rationalistischen Standpunkt erhoben sich die Empiriker und Positivisten. Kant versuchte mit mehr oder weniger Erfolg, den rationalistischen und den empirischen Standpunkt zu vereinigen. Einstein kehrt zum rationalistischen Standpunkt zur\u00fcck, vermengt ihn aber paradoxerweise mit seinem Gegenteil, dem Positivismus.<\/p>\n<p>Einstein 1933: \u00ab<em>Die Erfahrung berechtigt uns zu dem Glauben, da\u00df die Natur die Verwirklichung der einfachsten mathematischen Ideen ist<\/em>.\u00bb Auf Reichenbachs Frage, wie er zur Relativit\u00e4tstheorie gekommen sei, antwortete Einstein (Reichenbach 1959): \u00ab<em>Weil ich fest von der allgemeinen Harmonie der Welt \u00fcberzeugt war.<\/em>\u00bb Wir erw\u00e4hnten schon, da\u00df Einstein nach den \u00ab<em>g\u00f6ttlichen Gesetzen der Welt<\/em>\u00bb und dem \u00ab<em>Geheimnis des Alten<\/em>\u00bb suchte.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nMan versteht jetzt die Verachtung, welche die Relativit\u00e4tstheoretiker f\u00fcr konkrete physikalische Mechanismen hegen. Wenn aus dem Invarianzpostulat folgt, da\u00df eine bewegte Uhr nachgeht, braucht man nicht nach einem Mechanismus zu fragen, der das bewirkt. Es ist einfach so und kann nicht anders sein. Wenn sich Einstein bei der Illustration seiner Prinzipien in logische Widerspr\u00fcche verwickelt, st\u00f6rt ihn das ebenso wenig wie der Mangel an experimentellen Beweisen. Die Invarianz ist dar\u00fcber erhaben. [<u>Fu\u00dfnote:<\/u> Mohorovicic (1958, in Sapper II) spricht von \u00ab<em>mathematischem Illusionismus<\/em>\u00bb.]<\/p>\n<p>(Dr. Walter Theimer)<\/p><\/blockquote>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachstehend Ausz\u00fcge aus dem Buch von Dr. Walter Theimer Die Relativit\u00e4tstheorie &#8211; Lehre &#8211; Wirkung &#8211; Kritik, Seite 168-170: Der Mathematismus Wir haben zur Gen\u00fcge gesehen, da\u00df es sich bei der Relativit\u00e4tstheorie mehr um philosophische als physikalische Probleme handelt. Die Problematik ber\u00fchrt nicht nur Einzelfragen, sondern das ganze Verh\u00e4ltnis von Mathematik, Physik und Philosophie. 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