{"id":290,"date":"2008-05-13T09:52:30","date_gmt":"2008-05-13T08:52:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/?p=290"},"modified":"2008-05-13T09:55:52","modified_gmt":"2008-05-13T08:55:52","slug":"gedanken-sind-schwer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/2008\/05\/gedanken-sind-schwer\/","title":{"rendered":"Gedanken sind schwer"},"content":{"rendered":"<p>Die kontroverse Diskussion im Forum <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/selber-denken.com\/board\/forschungs-und-diskussionsbereich\/naturwissenschaften\/6824-hafele-keating-experiment-t\u00e4uschung-verf\u00e4lschung-und-datenmanipulation\/\">Auf zur Wahrheit<\/a> anl\u00e4sslich der <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/?p=285\">Untersuchung des Experiments Hafele &amp; Keating<\/a> ist ergiebig und behandelt auch den Aspekt der Logik. Ich wiedergebe nachstehend einen Austausch mit einem Anh\u00e4nger der Relativit\u00e4tstheorie, der also an die Zeitdilatation glaubt und bem\u00fcht ist, seine <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/selber-denken.com\/board\/forschungs-und-diskussionsbereich\/naturwissenschaften\/p55559-hafele-keating-experiment-t\u00e4uschung-verf\u00e4lschung-und-datenmanipulation\/#post55559\">Aussage <\/a>logisch zu begr\u00fcnden: \u201e<em>Die Zeit geht langsamer, daraus folgt logischerweise auch, dass Uhren langsamer gehen<\/em>&#8222;:<\/p>\n<p><font color=\"#ffffff\">&#8212;<\/font><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/selber-denken.com\/board\/forschungs-und-diskussionsbereich\/naturwissenschaften\/p55568-hafele-keating-experiment-t\u00e4uschung-verf\u00e4lschung-und-datenmanipulation\/#post55568\">Zitat \u201e<em>Phasenverschobener<\/em>&#8222;<\/a>:<br \/>\nDu willst also ernsthaft behaupten, das Ex falso sequitur quodlibet nicht gilt? Aristotoles rotiert im Grabe. Wei\u00dft du was, auf dieser Basis kann ich dir Beweisen, das schwarz = wei\u00df ist. Wenn du Lust hast, kann ichs mal vorf\u00fchren.<\/p>\n<p><font color=\"#ffffff\">&#8212;-<\/font><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/selber-denken.com\/board\/forschungs-und-diskussionsbereich\/naturwissenschaften\/p55575-hafele-keating-experiment-t\u00e4uschung-verf\u00e4lschung-und-datenmanipulation\/#post55575\">Zitat Lopez:<\/a><br \/>\nIch w\u00fcrde sagen, dass Aristoteles \u00fcber die &#8222;<em>Logik<\/em>&#8220; der Relativit\u00e4tstheorie im Grabe rotiert.<\/p>\n<p>Dein Satz \u201e<em>Die Zeit l\u00e4uft langsamer, deshalb gehen die Uhren langsamer<\/em>&#8220; enth\u00e4lt n\u00e4mlich gar keine logische Folgerung und kann deshalb nicht ein Konsens erzeugen. Das ist lediglich <u>eine unentscheidbare Behauptung<\/u>.<\/p>\n<p>Deine logische Analyse Deines Satzes ist n\u00e4mlich grob fehlerhaft, wenn Du davon ausgehst, dass der 1. Satz: \u201e<em>Die Zeit l\u00e4uft langsamer<\/em>&#8220; auf jeden fall \u201e<em>wahr<\/em>&#8220; ist. Er ist nicht wahr, er ist unentscheidbar, weil man physikalisch \u201e<em>die Zeit<\/em>&#8220; nicht messen kann.<\/p>\n<p>Nach demselben Muster wie Deinem Satz \u201e<em>Die Zeit l\u00e4uft langsamer, deshalb gehen die Uhren langsamer<\/em>&#8220; k\u00f6nnte man n\u00e4mlich beliebige unentscheidbare Behauptungen aufstellen, zum Beispiel:<\/p>\n<p>\u201e<em>Gedanken sind schwer, deshalb kriegt man Kopfschmerzen<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>&#8211; Der Satz \u201e<em>Gedanken sind schwer<\/em>&#8220; ist nicht &#8222;<em>wahr<\/em>&#8222;, sondern unentscheidbar, weil man Gedanken nicht wiegen kann. Man kann genauso unentscheidbar behaupten: \u201e<em>Gedanken sind leicht<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>&#8211; Die Folgerung \u201e<em>deshalb kriegt man Kopfschmerzen<\/em>&#8220; ist nicht &#8222;<em>wahr<\/em>&#8222;, sondern unentscheidbar, weil man keinen Zusammenhang zwischen der Entstehung von Kopfschmerzen und dem Gewicht von Gedanken erstellen kann.<\/p>\n<p><font color=\"#ffffff\">&#8212;<\/font><\/p>\n<p>Die &#8222;<em>Zeit<\/em>&#8220; ist ein abstrakter Begriff und kein Gegenstand, deshalb kann man sie auch nicht messen. Abstrakte Begriffe und Denkmuster kann man nicht messen. In der Experimentalphysik misst man auch keine \u201e<em>Zeit<\/em>&#8222;, sondern man misst eine \u201e<em>Dauer<\/em>&#8220; zwischen zwei Ereignissen, deren Anfang und Ende man willk\u00fcrlich bzw. beliebig festsetzt.<\/p>\n<p>Auf die sprachliche Verwirrung \u00fcber den Begriff \u201e<em>Zeit<\/em>&#8220; in der Relativit\u00e4tstheorie haben zahlreiche Kritiker wiederholt hingewiesen und ich habe z.B. auch in meiner HP in Anlehnung auf eine Arbeit des Kritikers Helmut Hille <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.helmut-hille.de\/lt5.html#2\">Messen als Erkenntnisakt<\/a> den Absatz <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/maenner\/maerchenhaftes.html\">Die Relativit\u00e4tstheorie ist surrealistisch<\/a> geschrieben, falls es Dich interessiert.<\/p>\n<p>Auch G.O. Mueller hat sehr anschauliche Ausf\u00fchrungen in seiner <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.ekkehard-friebe.de\/buch.pdf\">Dokumentation<\/a> dar\u00fcber geschrieben, Kapitel 3, Seite 237 &#8211; <em>Exkurs: \u00dcber \u201e die Zeit&#8220; &#8211; eine Ausn\u00fcchterung: <\/em><\/p>\n<blockquote>\n<blockquote><p><strong>Der Zeitbegriff ist kein Naturgegenstand<\/strong><\/p>\n<p>Der Zeitbegriff ist nicht vom Himmel gefallen, findet sich auch nicht als Gegenstand in der Natur vor, sondern ist von Menschen gemacht, weshalb es auch unweigerlich verschiedene Zeitbegriffe geben wird. Vom Zeitbegriff h\u00e4ngt ab, was er begreift. Deshalb mu\u00df jeder, der Erkenntnisse \u00fcber die Zeit verk\u00fcnden will, mindestens seinen dabei verwendeten Zeitbegriff vorzeigen.<\/p>\n<p><strong>Ged\u00e4chtnis und Dauer <\/strong><\/p>\n<p>Die historische Entwicklung kann helfen, einen Begriff zu explizieren, ohne ihn endg\u00fcltig festzulegen. Sicher ist jedenfalls, da\u00df die intuitive Erfassung der Dauer sich von sichtbaren Vorg\u00e4ngen ableitete, Bewegungen, die der Mensch mit den Sinnen wahrnehmen konnte. An den sichtbaren Bewegungen entwickelte sich als erstes der Sinn f\u00fcr die Dauer, den Zeitablauf. Der Zeitablauf kann nur dort erkannt werden, wo die Natur ein Ged\u00e4chtnis installiert hat. Die vielzitierten Ringe im Baumquerschitt sind, entgegen der beliebten Metapher, noch kein Ged\u00e4chtnis, sondern k\u00f6nnen nur als solches interpretiert werden.<\/p>\n<p>Der Vergleich der beobachteten und erinnerten Bewegungen f\u00fchrte zu Feststellungen, dass bestimmte (l\u00e4ngere) Bewegungen noch andauern, w\u00e4hrend bestimmte andere (k\u00fcrzere) enden. Aus diesem Vergleich von Bewegungen erst konnte, nach der Dauer, der Begriff der Gleichzeitigkeit entstehen.<\/p>\n<p><strong>Wiederkehrende Bewegungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Menschen wurden von Anbeginn durch die Natur reichlich mit wiederkehrenden Bewegungen versorgt, durch die wandelnden Gestirne und den Rhythmus von Tag und Nacht, dann durch die hergestellten Ger\u00e4te wie drehende R\u00e4der und Pendel. Besonders die wiederkehrenden Bewegungen luden zu Vergleichen ein: jede einmalige Bewegung konnte mit den wiederkehrenden Bewegungen verglichen werden. Ergebnis waren Verh\u00e4ltniszahlen: eine Reise dauerte von einem Sonnenaufgang bis zum n\u00e4chsten oder \u00fcbern\u00e4chsten. Die Angabe \u201e<em>2 Tage<\/em>&#8220; ist eine solche Verh\u00e4ltniszahl: die eine Bewegung (die Reise) steht zur anderen Bewegung (dem Lauf der Sonne) im Verh\u00e4ltnis 1:2. Der Zeitbegriff ist mit der Bildung der Verh\u00e4ltniszahl \u00fcber zwei Bewegungen voll ausgebildet. Dabei ist es bis heute geblieben. Alle Verfeinerungen durch Apparate haben daran nichts ge\u00e4ndert; auch die Schwingungen im C\u00e4sium der Atomuhr sind nur Bewegungen.<\/p>\n<p><strong>Verh\u00e4ltniszahl \u00fcber zwei Bewegungen<\/strong><\/p>\n<p>Wer angesichts dieser n\u00fcchternen Feststellung von \u201e<em>der Zeit als vierter Dimension<\/em>&#8220; spricht, redet schlicht Unsinn: die Verh\u00e4ltniszahl \u00fcber zwei Bewegungen ist n\u00e4mlich eine dimensionslose Zahl; und sie wird nur durch Beobachtung und Vergleich von Bewegungen in den Dimensionen des Raums gewonnen, ist also die Konstruktion aufgrund eines funktionierenden Ged\u00e4chtnisses. Wirklich sind nur der Raum und die Bewegungen im Raum: alles andere ist n\u00fctzliche Konstruktion.<\/p>\n<p><strong>Die Substantivierung der Verh\u00e4ltniszahl<\/strong><\/p>\n<p>Die Konstruktion einer Verh\u00e4ltniszahl \u00fcber zwei Bewegungen ist und bleibt eine Abstraktion, die nicht in die Wirklichkeit des Raumes zur\u00fccktransportiert werden kann. Die Verh\u00e4ltniszahl ist nirgendwo im Raum anzutreffen.<\/p>\n<p>Die Versuchung dazu ist dennoch gro\u00df, weil der Umgang mit Abstraktionen eine gewisse geistige Anstrengung verursacht, und wir zu unserer Entlastung den Sprachgebrauch eingef\u00fchrt haben, den Wert der Verh\u00e4ltniszahl \u00fcber zwei Bewegungen als \u201e<em>die Zeit<\/em>&#8220; zu bezeichnen.<\/p>\n<p>Mit dem Substantiv kommt die T\u00e4uschung, wir h\u00e4tten es mit einer Sache zu tun, von der wir mehr oder weniger gro\u00dfe St\u00fccke abtrennen und \u00fcber sie verf\u00fcgen k\u00f6nnen, als eine Sache, die, wie alle Gegenst\u00e4nde, eine Dimension hat.<\/p>\n<p>Wer von einer \u201e<em>Reise in die Zeit<\/em>&#8220; schwadroniert, kann nur eine \u201e<em>Reise in eine Verh\u00e4ltniszahl \u00fcber zwei Bewegungen<\/em>&#8220; meinen: damit entweicht die hei\u00dfe Luft aus \u201e<em>der Zeit<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>(G.O. Mueller)<\/p><\/blockquote>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die kontroverse Diskussion im Forum Auf zur Wahrheit anl\u00e4sslich der Untersuchung des Experiments Hafele &amp; Keating ist ergiebig und behandelt auch den Aspekt der Logik. 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