{"id":137,"date":"2007-12-04T18:49:33","date_gmt":"2007-12-04T17:49:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/?p=137"},"modified":"2007-12-04T18:53:58","modified_gmt":"2007-12-04T17:53:58","slug":"ivan-slade-falsche-erziehung-zur-unfehlbarkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/2007\/12\/ivan-slade-falsche-erziehung-zur-unfehlbarkeit\/","title":{"rendered":"Ivan Slade: Falsche Erziehung zur Unfehlbarkeit"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Titel des heutigen Themas \u201e<em>Die offene Gesellschaft<\/em>&#8220; geht es in erster Linie um den Menschen. Nat\u00fcrlich hat dieses Thema viel mit Politik zu tun, aber nicht ausschlie\u00dflich mit Politik, und ich will deshalb versuchen, eine angeblich unpolitische Institution zu kritisieren: das Bildungswesen. Meine These ist einfach, aber ich glaube, sie ist nicht unbedeutend: In der Schule werden wir fast alle dazu erzogen, Autorit\u00e4ten anzuerkennen. Ich behaupte, dass die kritische F\u00e4higkeit des menschlichen Denkens in der Schule und zum Teil an der Universit\u00e4t nicht gef\u00f6rdert, vielleicht sogar unterdr\u00fcckt wird. Ich glaube, dass die Lehrer verpflichtet sind, junge Menschen zum kritischen Denken zu erziehen, so dass sie in Zukunft einen Beitrag zur offenen\u00a0 Gesellschaft leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit zw\u00f6lf Jahren habe ich meinen Physiklehrer gefragt: Was ist Energie? Inzwischen wei\u00df ich, dass so eine Frage schwer zu beantworten ist. Aber er hat \u00fcberhaupt nicht versucht, meine Frage zu beantworten. Dies ist ein sehr kleines Beispiel aus meiner Schulzeit. Immer wenn ich w\u00e4hrend dieser Zeit versuchte, etwas Kritisches zu fragen, bekam ich keine Antwort.<\/p>\n<p>Jeder von uns wei\u00df, dass wir fehlbar sind, sehr fehlbar. Aber unter normalen Umst\u00e4nden geben wir dennoch unsere Fehlbarkeit anderen gegen\u00fcber nie oder nur selten zu. Es gibt interessante Ausnahmen. Wenn man zum Beispiel versucht, eine Fremdsprache zu sprechen. Wie oft h\u00f6rt man als Antwort auf die Frage: \u201e<em>Sprechen Sie Deutsch?<\/em>&#8220; &#8211; \u201e<em>Ja, ein bisschen<\/em>.&#8220; In diesem Fall gibt der Mensch gerne zu, dass seine fremdsprachliche Kenntnis unzul\u00e4nglich ist, aber auf anderen Gebieten scheut er sich, es zu tun. Normalerweise versucht der Mensch, seine Fehlbarkeit zu verbergen, zu vertuschen. Es k\u00f6nnte als eine Art Verschw\u00f6rung betrachtet werden: Wir alle wissen, wie fehlbar wir sind, wie wenig wir wissen, aber niemand gibt es gerne zu. In der Schule sind wir n\u00e4mlich erzogen worden, als ob unser Kopf ein K\u00fcbel w\u00e4re &#8211; wie Popper es beschrieben hat &#8211; und die Aufgabe des Lehrers darin best\u00fcnde, die Information mit dem passenden Trichter einzugie\u00dfen. Aber wenn wir einsehen, was an unserer Erziehung falsch ist &#8211; warum ist es so schwer, sie zu \u00e4ndern?<\/p>\n<p>(Ivan Slade, Studium der Physik, Assistent von Karl Popper)<\/p>\n<p><u>Quelle<\/u>:<\/p>\n<p><strong>Die Zukunft ist offen<br \/>\n<\/strong><strong>Karl R. Popper \/ Konrad Lorenz <\/strong><br \/>\nPiper, Band 340, 1985<br \/>\nMit den Texten des Wiener Popper-Symposiums<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel des heutigen Themas \u201eDie offene Gesellschaft&#8220; geht es in erster Linie um den Menschen. Nat\u00fcrlich hat dieses Thema viel mit Politik zu tun, aber nicht ausschlie\u00dflich mit Politik, und ich will deshalb versuchen, eine angeblich unpolitische Institution zu kritisieren: das Bildungswesen. 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