{"id":136,"date":"2007-12-04T09:10:15","date_gmt":"2007-12-04T08:10:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/?p=136"},"modified":"2007-12-04T09:13:29","modified_gmt":"2007-12-04T08:13:29","slug":"noam-chomski-warum-die-medien-mainstream-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/2007\/12\/noam-chomski-warum-die-medien-mainstream-sind\/","title":{"rendered":"Noam Chomsky: Warum die Medien &#8222;Mainstream&#8220; sind."},"content":{"rendered":"<p>Aus dem Buch von <strong>Noam Chomsky<\/strong>: &#8222;<em><strong>Die politische \u00d6konomie der Menschenrechte<\/strong><\/em>&#8222;, Trotzdem Verlag, 2000<\/p>\n<p>So sind zum Beispiel die Universit\u00e4ten keineswegs unabh\u00e4ngige Institutionen. Man findet in ihnen zwar hier und da unabh\u00e4ngig gesinnte Geister, aber das gilt auch f\u00fcr die Medien. Solche Leute gibt es im Allgemeinen auch in den Gro\u00dfunternehmen, ja, sogar in faschistischen Staaten. Aber die Universit\u00e4ten sind letztlich &#8222;<em>parasit\u00e4re<\/em>&#8220; Institutionen. Sie sind auf Finanzierung von au\u00dfen angewiesen, und die Quellen dieser Unterst\u00fctzung &#8211; reiche M\u00e4zene, Gro\u00dfunternehmen und Staat (die beide so eng miteinander verflochten sind, da\u00df man sie kaum auseinander halten kann) &#8211; stecken im wesentlichen den Rahmen ab, innerhalb dessen die Universit\u00e4ten operieren. Wer sich der internen Struktur der Universit\u00e4ten nicht anpasst, sie nicht in dem f\u00fcr eine reibungsfreie Arbeit innerhalb des Systems notwendigen Ma\u00df akzeptiert und internalisiert, wird im Verlauf von Erziehung und Ausbildung mehr und mehr aus dem System hinausgedr\u00e4ngt, ein Prozess, der letztlich schon im Kindergarten beginnt und dann ununterbrochen weitergeht. Es gibt alle m\u00f6glichen Arten von Filtermechanismen, um Leute loszuwerden, die sich querstellen und unabh\u00e4ngig denken. Jeder, der auf dem College war, wei\u00df, wie sehr das Erziehungssystem auf die Belohnung von Konformit\u00e4t und Gehorsam ausgelegt ist: Wer sich nicht anpasst, ist eben ein Quertreiber. Und aufgrund des Wirkens dieser Filtermechanismen bleiben schlie\u00dflich Leute \u00fcbrig, die in aller Aufrichtigkeit ein System von \u00dcberzeugungen und Meinungen \u00fcbernehmen, das den Interessen der gesellschaftlich M\u00e4chtigen, mit denen sie zu tun haben, entspricht. Sie brauchen nicht zu l\u00fcgen, weil sie selbst daran glauben. Eliteinstitutionen wie zum Beispiel Harvard und Princeton und die kleinen Colleges mit Universit\u00e4tscharakter legen gro\u00dfen Wert auf Sozialisation. In einer Institution wie Harvard geht es zum gr\u00f6\u00dften Teil darum, die richtigen Manieren zu lernen: wie man sich als Mitglied der Oberschicht zu verhalten hat, wie man in seinem Denken nicht vom richtigen Weg abweicht und so weiter.<\/p>\n<p>Mitte der vierziger Jahre schrieb George Orwell als Satire auf einen totalit\u00e4ren Staat, n\u00e4mlich die Sowjetunion, seinen Roman Animal Farm, der damals ein gro\u00dfer Erfolg war. Alle Welt war begeistert. Sp\u00e4ter stellte sich heraus, da\u00df er eine Einleitung zu Animal Farm geschrieben hatte, die aber nicht gedruckt wurde. Sie erschien erst drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter, als sie in seinem Nachlass gefunden wurde. Thema dieser Einleitung war die &#8222;<em>Literarische Zensur in England<\/em>&#8222;. Orwell sagt dort, da\u00df er sich in seinem Buch nat\u00fcrlich \u00fcber die Sowjetunion und ihre totalit\u00e4re Struktur lustig macht. Aber au\u00dferdem schreibt er auch, da\u00df England sich gar nicht so sehr davon unterscheidet. Im Westen werden wir nicht auf Schritt und Tritt von einem KGB kontrolliert, aber das Resultat ist doch weitgehend dasselbe. Wer in seinem Denken zu unabh\u00e4ngig ist oder auf die falschen Gedanken kommt, bekommt keine Chance, seine Ideen zu verbreiten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem macht er einige kurze Bemerkungen \u00fcber die institutionelle Struktur der Medien. Er fragt: Wie kommt es zu dieser Art von Zensur? Ihm zufolge liegt das erstens daran, da\u00df die Presse den Reichen geh\u00f6rt, denen es lieber ist, wenn bestimmte Dinge nicht das Licht der \u00d6ffentlichkeit erblicken. Zweitens, so Orwell, lernt man im Rahmen des Erziehungs- und Ausbildungssystems der Elite, zum Beispiel an renommierten Universit\u00e4ten wie der von Oxford, da\u00df es gewisse Dinge gibt, die man besser nicht erw\u00e4hnt, da\u00df es gewisse Gedanken gibt, die man besser nicht zul\u00e4sst. Damit meint er die sozialisierende Rolle der Eliteinstitutionen: Wenn man sich hier nicht anpasst, hat man in der Regel schon verloren. Und mit diesen wenigen Bemerkungen ist das Wesentliche eigentlich schon gesagt.<\/p>\n<p>Wenn man Medienkritik betreibt und sich zum Beispiel mit dem besch\u00e4ftigt, was Anthony Lewis &#8211; oder irgendjemand anders &#8211; geschrieben hat, werden die jeweiligen Leute oft sehr w\u00fctend. Sie sagen dann ganz richtig: &#8222;<em>Niemand sagt mir jemals, was ich zu schreiben habe. Ich schreibe alles, was ich will. Dieses ganze Geschw\u00e4tz \u00fcber Druck und Einschr\u00e4nkungen ist Unfug, weil keiner je irgendwelchen Druck auf mich aus\u00fcbt<\/em>.&#8220; Und das ist v\u00f6llig richtig, nur da\u00df es hier um etwas ganz anderes geht, n\u00e4mlich um die Tatsache, da\u00df sie ihre Position gar nicht inne h\u00e4tten, wenn sie nicht vorher schon unter Beweis gestellt h\u00e4tten, da\u00df niemand ihnen sagen mu\u00df, was sie schreiben sollen. Es ist l\u00e4ngst klar, da\u00df sie das genau wissen. Wenn sie sich als angehende Reporter f\u00fcr die verkehrte Art von Geschichten interessiert h\u00e4tten, h\u00e4tten sie es nie zu Positionen gebracht, in denen sie sagen k\u00f6nnen, was sie wollen. Dasselbe gilt weitgehend auch f\u00fcr die Universit\u00e4tsdozenten in den st\u00e4rker ideologisch gef\u00e4rbten F\u00e4chern. Sie haben eine erfolgreiche Sozialisation hinter sich.<\/p>\n<p>(Noam Chomsky)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Buch von Noam Chomsky: &#8222;Die politische \u00d6konomie der Menschenrechte&#8222;, Trotzdem Verlag, 2000 So sind zum Beispiel die Universit\u00e4ten keineswegs unabh\u00e4ngige Institutionen. Man findet in ihnen zwar hier und da unabh\u00e4ngig gesinnte Geister, aber das gilt auch f\u00fcr die Medien. Solche Leute gibt es im Allgemeinen auch in den Gro\u00dfunternehmen, ja, sogar in faschistischen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1336,159,34,43],"class_list":["post-136","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kritik-der-relativitatstheorie","tag-kritik-der-relativitatstheorie","tag-noam-chomsky","tag-pressefreiheit","tag-wissenschaftsfreiheit"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=136"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jocelyne-lopez.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}