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Lieber norbi, Dein Bild vom Triumphbogen zu München finde ich beeindruckend, und hat es hat auch die Erinnerung an ein traumatisches Erlebnis geweckt. Ich darf es weiter erzählen, einverstanden? 

 

Du musst erst mal wissen, dass wir auch in Marseille einen Triumphbogen haben. Er heißt einfach „La Porte d’Aix“ also das Tor zu Aix (gemeint ist das Städtchen Aix-en-Provence nördlich von Marseille) und war wohl damals eben an die Außenmauer der Stadt. Gut, er ist vielleicht nicht so prächtig wie die Triumphbogen von München oder Paris, ich weiß  es nicht, ich  kenne mich  nicht aus mit Architektur. Außerdem hat er wohl das Pech gehabt, im 

 

Laufen  der Jahrhunderte einfach Mitte in einem ziemlich heruntergekommenen, nicht gerade Prestige fordernden, armen, natürlich nicht gerade in gutem Ruf stehenden Arbeiter- und Gastarbeiterviertel eingeschlossen zu werden. Ich habe dort auch mal gewohnt, wenn ich nicht woanders gewohnt habe.

 

Du musst auch wissen, dass die Straße, die zur Porte d’Aix führt, steigend und für Marseiller Verhältnisse sehr breit ist: also es gibt gerade Platz für zwei Spuren, als Einbahnstraße, Verkehrsrichtung nach oben. Dagegen sind die Bürgersteige sehr schmal, was  zwar  auch  nicht  unüblich  aber  für

 
 

dieses überbevölkerte Viertel äußerst ungünstig ist, vor allem weil die ganze Straße eine einzige Einreihung von Geschäften und Boutiquen aller Art ist - nicht gerade Designer-Boutiquen, versteht sich, Nordafrikaner-Boutiquen.

 

Eines Tages als ich ca. 15-16 Jahren alt war ging ich eben Richtung  Porte d’Aix, ich weiß nicht mehr zu welchem Zweck. Ich hatte es eilig, ich hatte es zu dieser Zeit sowieso eilig. Die Bürgersteige waren überfüllt von flanierenden und einkaufenden Menschen, diese Menschenmenge nervte mich, ich steig auf einmal ohne mich umzudrehen von Bürgersteig runter um Leute zu überholen, eine unwiderstehliche Kraft packt mich dann am Arm und zieht mich zum Bürgersteig zurück, gerade auf die Sekunde, wo ein Bus, der es auch eilig hatte, ein paar Zentimeter an meine Wange vorbeifuhr. Als ich mich ein bisschen vom Schock erholt habe, habe ich mich umgeguckt, um meinen Retter anzusehen. Nur Araber. Keiner hat auch was gesagt oder sich erkenntlich gemacht. So habe ich nie den Blick meines Retters getroffen, er war schon verschwunden.

 

Wo ist das Problem mit den Arabern? Bescheiden, höflich. Wo ist das Problem?

 

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